Oban Malt Whisky Distillery (Schottland) Brennerei Steckbrief

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Oban Distillery

Die Oban Malt Brennerei zählt zu den ältesten Produzenten von Scotch Whisky in ganz Schottland. Im Jahre 1794 wurde The Oban Distillery in der kleinen Bucht (Little Bay) nahe dem Wasser durch John und Hugh Stevensen gegründet. Die Brüder  gelten auch als Begründer der gleichnamigen Hafenstadt, die an den Hängen rings um die Destillerie erbaut wurde.

Die Brennerei liegt also heute mitten in der quirligen Küstenstadt in den Western Highlands, von dessen Standort aus in wenigen Minuten der Fährhafen erreicht werden kann. Von Oban aus hat man ebenfalls wunderbare Blicke auf die große westlich gelegene Isle of Mull mit ihrem hohen Ben More. Selbst Sir Walter Scott verweilte hier wie auch Felix Mendelsohn, der die „Hebriden Overtüre“ auch als „Fingal´s Cave“ um 1830 in dieser schottischen Region schrieb.

Das Paar kupferne Brennblasen von Oban ist von mittlerer Größe und gleicht in der Form Zwiebeln. Heraus kommt ein hocharomatischer und mittelschwerer Kornbrand, gefördert zusätzlich durch den hohen Kupferkontakt während der Destillationsphase.

Zwei prägnante silent times prägen die jüngere Geschichte der Destillerie im 20. Jahrhundert. Der damalige Eigentümer SMD schloß Oban für sechs Jahre zwischen 1931 und 1937. Das gleich geschah nochmals ab 1969 bis 1972, was man nutzte um das Brennhaus nochmals in veränderter Form wie heute sichtbar aufzubauen. Dabei stand zu Beginn auch eine Totalschließung auf der Agenda, die man glücklicherweise noch abwenden konnte.

Seit dem Jahr 1987 zählt die 14-jährige Standardabfüllung zu den Classic Malts of Scotland Abfüllungen.



Zu den OBAN Scotch Whisky Produkten

Oban Fakten im Überblick

 

Region

Schottland, Highlands


Whisky-Gattung

Malt Whisky


Status

In Betrieb


Marken

Oban


Nachbarn

Ben Nevis

Glenlochy

Loch Lomond

Tobermory

 


Oban Produktionsdaten im Detail

Die Oban Distillery zählt nicht wirklich zu den ganz großen Schottlands, dafür sind die Abfüllungen meisterlich geprägt. Die Größe ist sicherlich dem Standort mitten in der Kleinstadt Oban geschuldet, da Erweiterungen nahezu ausgeschlossen sind, ohne den Ort der Produktion zu verlassen.


Produktionsmengen

Produktionsmenge (Liter pro Jahr):

800.000 (Jahr 2017)

Getreide und Malz

Lieferanten:

Diverse (Speyside)

Malz Spezifikationen:

Ab etwa 2015 Ungetorft

Davor: leicht Getorft

Fermentation

Fermentationszeit:

Bis 110 Stunden

Hefe:

Unbekannt

Washback Anzahl:

4

Washback Fassungsvermögen (Liter):

32.000 auf Floor-Level (Douglasie aus Kanda)

Destillation

Brennblasentyp:

Pot Stills

Anzahl:

2 (1 x Wash Stills und 1 x Spirit Sills)

Wash Still Form:

Normal

Wash Still Fassungsvermögen:

11.000

Spirit Still Form:

Hoch

Spirit Still Fassungsvermögen:

6.600

New Make ABV:

68% ABV

Abfüllung ABV:

63,5% ABV

Reifung

Lagerhäuser:

Traditionelle Dunnage Warehouses am Ort, weitere Diageo Lagerhäuser

Anzahl:

Keine Angaben


Whisky Produktion in der Oban Distillery

Vollkommen traditionell und dazu noch eingebettet auf engstem Raum mitten in die quirlige Kleinstadt Oban produziert die gleichnamige Distillery schon seit weit über 200 Jahren feinste Malt Whisky Varianten. Mit etwas mehr als 700 Tausend Liter an Produktionsmenge zählt die Destillerie eher zu den kleineren im Scotch Whisky Business. Dies macht der Qualität und dem Geschmacksprofil überhaupt keinen Abbruch. Innerhalb des Diageo-Konzern ist Oban sogar die zweitkleinste von rund fünfzig Herstellern. Nur noch die Royal Lochnagar Distillery ist ein wenig kleiner mit einer halben Million Litern an jährlichem Ausstoss.

Für den einzigartig Charakter der diversen Oban Single Highland Malt Scotch Whisky sind rein drei essentielle Bestandteile erforderlich

  • reines Wasser
  • Gerstenmalz
  • Hefe

Die Einzigartigkeit, im Gegensatz zu den meisten schottischen Whisky-Brennereien ist folgende, noch nie in der Geschichte der Destillerie wurde der Platz der Herstellung verändert noch die Brennerei vergrößert. Seit Beginn Ende des 18. Jahrhundert ist alles nahezu gleich geblieben, außer die eine oder andere Modernisierung. Oban destilliert nach wie vor mit einem einzigen Paar an kupfernen Pot Stills.

Wasser

Die Destillerie bezieht ihr klares und reines Wasser für die Produktion über eine kilometerlange Pipeline aus dem höher gelegenen Loch Glenn a’Bhearraidh. Dieser Stausee ist etwa 5 Kilometer von der Küstenstadt und dem Herstellungsort der Single Malts entfernt.

Die Meinungen über die Verwendung von Wasser, egal ob hart oder weich, geflossen über Granitgestein oder durch torfige Moore, können unterschiedlicher nicht sein unter den Experten und werden bis heute kontrovers diskutiert. Egal was man davon halten möchte oder nicht, Oban produziert einen sehr weichen, angenehm aromatischen und dennoch intensiven Highland Malt Whisky.

Mahlen und Mälzen

Bis in das Jahr 1968 wurde direkt in Oban gemälzt und gemahlen, bis auch Oban ihr spezifisches Malz durch externe Dienstleister bezog. Spätestens seit der Zugehörigkeit zu Diageo ab 1997 können mehrere konzerneigene Mälzereien genutzt werden. Die eigenen floor malting wurden im Jahr 1968 am Standort aufgegeben. Kein Einzelfall in der Branche, in den 1960er und 70er Jahren stiegen die Produktionsmengen enorm und es ging um weitere Effektivität für viele Hersteller. Seitdem die eigene Mälzerei aufgegeben wurde bezog Oban sehr leicht getorftes Malz von professionellen Großmälzereien aus dem Land, darunter auch Roseisle Maltings aus Elgin in der Speyside gelegen. Noch steht eine alte dunkelrote Potreus Patent Malt Mill aus Leeds beim Einstieg in die Brennerei-Tour zur Besichtigung bereit.

Bis etwa 2016 wurde das Gerstenmalz während der Trocknung leicht getorft. Während der Führung erhielten wir die Detailinfo daß das verwendete Korn in der Oban Distillery seit einigen Jahren nicht mehr peated ist.

Nach dem Mahlen kann über eine handliche Sugarbox, einer kleinen rechteckigen Holzbox mit drei Ebene und unterschiedlichen Perforationsboden, das Mischungsverhältnis des Mahlgut (grist) in a) Spelze (husks) b) Grütze (grits) und c) Mehl (flour) ermittelt werden. Denn nur die richtige Zusammensetzung aus allen Teilen garantiert beste Arbeits- und Endproduktergebnisse.

Beim Maischen im großen Tank wird das Mahlgut in Zeitabständen dreimal mit unterschiedlich heißem Wasser aufgegossen. Für das Erste Wasser wird auf 7000 kg grist insgesamt 27000 Liter heißes Wasser mit 63 Grad Celsius aufgegossen. Dies entspricht etwas dem Typus einer 1:4 Verteilung von Gerstenmahlgut und heißem Wasser. Nachdem über den perforierten Boden des lauter tun die erste stark zuckerhaltige Flüssigkeit gefiltert und aufgefangen wurde wird das Zweite Wasser mit 8000 Liter Wasser bei 75 Grad Celsius auf die Maische aufgegossen. Danach ist das Süße Wasser (hot sweet barley water) für den nächsten Prozessschritt, der Fermentation, aufgesammelt. Der dritte Aufguss, das Dritte Wasser, wird mit 25000 Liter Wasser und 83 Grad Celsius wiederum in Tanks aufgefangen, heiß gehalten, und als first water für den nächsten Chargen-Aufguss beim Maischen verwendet.

Dieser gesamt beschriebene Prozess dauert etwa 10 Stunden und es entsteht diese stark zuckerhaltige Flüssigkeit Namens wort. Endlich haben es die Mitarbeiter mit Unterstützung der Technik geschafft aus der Stärke im Korn eine stark Zuckerhaltige Flüssigkeit zu gewinnen. Jetzt ist der Weg endlich frei Alkohol gewinnen zu können.

Die übrig gebliebenen Festbestandteile mit den Schalen nennt der Schotte liebevoll draff. Dieser dicke und breiartige Rückstand könnte eigentlich entsorgt werden. Im Kreislauf der Wiederverwertung werden diese Mengen als Kraftfutter für die Nutztiere an die örtlichen Bauern weiter gegeben. Nicht verwunderlich, da sich noch genügend Eiweiße, Spurenelemente und Mineralstoffe im Tierfutter befinden. 

Fermentation

Das Süße Wasser aus dem Prozess des Maischen, wort genannt, liegt noch bei gut 70 Grad Celsius. Würde nun die Hefe direkt in die heiße Flüssigkeit zugegeben, wurde die Hefe sofort absterben. Ergo, die Zuckerflüssigkeit muss im Vorfeld zuerst langsam herunter gekühlt werden auf ein Niveau von 16,5 Grad Celsius. Damit findet nun die Hefe in den großen hölzernen washbacks ideale Voraussetzungen und einen Nährboden, um sich selbst im Zusammenwirken mit dem Zucker in ersten Alkohol und Kohlendioxid umzuwandeln.

Im tun room von Oban stehen insgesamt vier washbacks aus Douglasienholz, aus Bäumen gefertigt welche ursprünglich in den rauhen Gefilden von Kanada heranwuchsen. Diese riesigen Holzbehälter sind sechs Meter hoch, wobei man auf der Arbeitshöhe nicht einmal ein Drittel davon sieht. Erst beim Öffnen der schweren Hozdeckel erkennt man die Größe und Mächtigkeit dieser Behältnisse. Stand Mai 2019 ist der Jüngste washback gerade einmal 1 Jahr alt während die ältesten schon gut 45 Jahre ihren Dienst für Oban verrichten.

Insgesamt 32.000 Liter des abgekühlten wort wird in einen einzelnen washback eingepumpt, was der Höhe des floor level entspricht. Mit der Zugabe von Destillierhefe wird die Zucker-Flüssigkeit durch die Fermentation in einen bierähnlichen Alkohol umgewandelt. Oban arbeitet dabei mit einer sehr langen Einwirkdauer von mehr als 4 Tagen oder anders ausgedrückt bis zu 110 Stunden. Dies ergibt schließlich wunderbar fruchtige Aromen von Orangen bei einer Alkoholstärke von etwa 9 Prozent ABV.

Witziges am Rande: Im Visitor Center sind die Rezeption und Stühle aus ausgedienten und abgebauten Washbacks entstanden. Wieder eine Art Wiederverwertung oder Zweites Leben.

Destillation

Aus den voran gegangenen Sektionen mashing und fermentation kommend, betreten wir nun das stillhouse, das gleich über zwei Etagen aufgebaut ist, um die großen Destillationsapparate integrieren zu können. Dabei stehen die beiden kupfernen Pot Stills über eine halbe Etage nach unten abgesetzt. Die beiden Brennblasen, ausgeführt aus größerer Wash- und einer kleinerei Spirit-Stil, wurden durch Abercrombie Coppersmiths in Clackmannanshire gefertigt. Ganz interessant dabei ist folgendes, dieses Unternehmen mit Sitz in einem Wohngebiet des Städtchen Alloa, ist wie die Oban Brennerei in Teil des mächtigen Diageo Konzern. Sie produzieren für die etwa vielen konzerninternen Destillerien von Diageo ständig bei Bedarf neue Destillationsapparate oder arbeiten betagte Installationen wieder auf. In Summe sind das etwa 160 kupferne Pot Still für Brennnereien mit Oban, Mortlach, Talisker, Cragganmore und vielen weiteren. Diese Arbeiten erfolgen natürlich immer in den unterschiedlichen und individuellen Größen, Designs und Varianten nach Vorgaben der einzelnen Destillerien.

Insgesamt kann die Western Highland Brennerei Oban in einer Woche bis zu 25.000 Liter an White Whisky, also dem frisch destillierten Rohdestillat, herstellen. Dies ergäbe eine theoretische Produktionskapazität von 1.300.000 Litern pro Jahr wenn man jeden einzelnen Tag in der Woche ohne silent times destillieren würde. In Wahrheit liegt der Ausstoss 2019 bei etwas 870.000 Litern, also gäbe es noch Möglichkeiten ohne direkte Erweiterungen der Brennerei mehr produzieren zu können.

Bill erzählte uns auch, die Nachfrage nach Oban Single Malts ist derzeit enorm groß, was zu einer kontroversen Diskussion bei den Verantwortlichen der Brennerei führt, von der momentanen Fünf-Tage Woche auf eine Sieben-Tage Woche erweitern zu wollen. Ähnliches wurden auch in der konzerninternen Lagavulin Distillery diskutiert und umgesetzt, wo man über viele kleine Effizenzschritte in der Produktion den Ausstoss nochmals nachhaltig erhöhen konnte.

Die beiden pot stills sind dampfbetrieben und besitzen ein Fassungsvermögen mit der wash still von 11.000 Litern und 6.700 Litern für die spirit still. Für die sequentielle Destillation, also immer als einziger Batch, wird nun das erzeugte beer von den washbacks in die wash still gepumpt und über Zufuhr von Dampf langsam erhitzt. Da Wasser und Alkohol unterschiedliche Siedegrade bezogen auf Meereshöhe besitzen, was hier bei Oban durchaus der Fall ist, löst sich ab 78,3 Grad Celsius der Alkohol aus dem Wasser und steigt gasförmig in der Still nach oben. In der ersten Stufe mit der wash still wird die gesamte Flüssigkeitsmenge zu einem 25 bis 30 prozentigen Alkohol destilliert.

In der zweiten Brennstufe mit der spirit still wird es einerseits wirklich Hochprozentig und es beginnt die Separierung in drei Anteile

  • head
  • heart
  • tail

Die zweite Destillation in der spirit still ergibt im ersten Drittel einen Vorlauf, auch foreshot genannt, mit maximalem Alkoholgehalt (ABV) von 83 Prozent zu Beginn. Dieser Head-Anteil läuft bei Oban für etwa 50 Minuten und wird im low wine receiver gesammelt. Erfahrene Destillateure sehen über das Hygrometer des spirit safe wann der Hebel zur Separierung des Herzstück umgelegt werden muss. Dieser dann laufende middlecut, auch the heart genannt, fließt damit in einem separaten Tank, dem intermediate receiver. Es ist genau der Anteil der später für die Reifung in Eichenfässern verwändt wird und zu Scotch Whisky heranreift.

Bei fortschreitender Destillation sinkt der Alkoholgehalt immer weiter, bis ab einer Untergrenze von etwa 65 Prozent ABV, die Technik oder die Destillateure abermals tätig werden müssen und den middlecut nun stoppen. Der Rest dieses Destillations-Batch wird zum Nachlauf (tail). Damit ist der Feinbrand nun endgültig als heart abgetrennt, während der Destillationsvorgang mit weiter sinkendem Alkoholgehalt zu Ende läuft. Ab etwa 63 % ABV kommen immer mehr Fuselöle mit in den Brand, die dem Geschmack und dem Genuss für Menschen nicht zuträglich wären. Ergo, über die vielfältigen Rohrleitungen vom spirit safe aus gesehen, läuft nun der Nachlauf, auch tail genannt, in den feints reciever zum Aufsammeln.

Reifung

Wie jeder Scotch Whisky müssen auch die Oban Destillate nun für mindestens 3 Jahre und 1 Tag in Eichenfässern auf schottischem Boden in aller Seelenruhe reifen. Diese kurze Zeitspanne würde den feinen Bränden von Oban jedoch nicht genügen, denn Whiskys aus Schottland benötigen je nach Region, Art der Lagerhäuser, Faßgrößen und weiteren Spezifikas durchschnittlich 10 Jahre bevor er abgefüllt wird. Bei der Oban Standardabfüllung gönnt man sich sogar eine Reifezeit von mindestens 14 Jahre, was dem Produkt ein wunderbar weiches und rundes Geschmacksbild gibt.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein hatten viele Whisky Brennereien direkt am Standort ihre eigene Küferei zur Faßaufbereitung und -fertigung. Mit der Verlagerung für die Reifung der Brände an weiter entfernte Standorte hatte auch Oban seine Aktivitäten in der Aufbereitung und Herstellung von Eichenfässer aufgegeben.

Wie bei vielen schottischen Brennereien reift auch der Grossteil der Oban Destillat nicht mehr direkt auf dem Firmengelände, sondern verteilt auf mehreren strategischen Standorten über Schottland verteilt. Bei Oban geht dies gleich auf mehrere Umstände zurück. Einerseits hat die Brennerei an „Der kleinen Bucht“ gelegen überhaupt nicht mehr die Fläche und Kapazität zur Lagerung aller reifenden Fässer. Direkt hinter den Gebäuden steigt der steile Fels nach oben und links und rechts davon ist ebenfalls kein Platz durch den begrenzten Standort mitten in der Stadt. Nur in einem Gebäude direkt hinter den Fertigungsgebäuden befindet sich ein Warehouse, in dem eine kleinere Anzahl auch Oak casks ihre Heimat finden.

Der frühere Besitzer James Walter Higgin ließ nach der Übernahme um 1890 die Gebäude und Fertigung renovieren und wollte damit gleichzeitig den Bau neuer Lagerhäuser beginnen. Die Bauarbeiter fanden während den Arbeiten Überreste von etwa 5000 Jahre alten Skeletten im Berg, bestehend aus sechs Erwachsenen und vier Kindern. Dadurch wurden die Bauarbeiten gestoppt und Archäologen eingeschaltet, wobei die Funde heute im National Museum of Antiquities of Edinburgh besichtigt werden können. Weitere Versuche zur Erweiterung gab es danach nicht mehr in Oban.

Die Lösung des ständigen Problems Lagerkapazitäten aufzubauen ist die Vorhaltung von Flächen an anderen Stelle über Warehouses durch den Mutterkonzern Diageo. Dieser betreibt verteilt über Schottland an mehreren strategischen Standorten große Warehouse-Komplexe, in denen Hersteller übergreifend Whiskyfässer reifen. In diesen mächtigen Arealen reifen viele Millionen von Fässern aus allen Regionen Schottland, egal ob aus den Highlands, der Speyside oder rauchig-torfige Destillate von Islay.


Exklusives alleswhisky.de Tasting

Nach dem ausgedehnten Tiefgang durch die einzelnen Fertigungsstationen, geführt von Bill und dabei ausführlich erklärt, stehen wir als alleswhisky.de Team zusammen mit unseren Kunden wieder im Visitor Center. Auf den Tischen wurden schon liebevoll neun Gedecken bereit gestellt unter dem Namen „1794 Private Tasting“.

Nach so viel Expertise und Wissen während der letzten 90 Minuten fragen wir bei unserem Guide Bill nochmals explizit nach „Was sind denn die weltweiten Märkte für Oban Malt Whisky?“. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen zurück, „Die USA!“. Ein wenig verwundert sind wir dann schon, da wir Kontinental-Europäer immer glauben „Wir seien der Nabel der Welt“. Aber weit gefehlt, Oban Produkte gehen im Export mit etwa 90% nach Nordamerika wobei gut 90% der gesamten Produktion ausserhalb Schottlands vertrieben wird.

Unser Gedenk mit vier Gläschen, wunderschön drapiert auf ausgedienten Dauben von Eichenfässern, zeigt drei bekannte Abfüllungen und eine bei uns in Deutschland nicht erhältliche Variante. Wir starten mit der Standardabfüllung, dem Oban 14 Jahre und sind beim ersten Einatmen der Aromen und einem kleinen Schluck überrascht, sogar sehr positiv überrascht, über die Qualität. Ist das nicht genau der, den wir in unserem Shop alleswhisky.de auch ständig unseren Kunden empfehlen? Ja, genau der ist er! Man könnte es als wunderbares Refreshing und wieder geschmacklich Einnorden in die weite Aromenwelt der Scotch Whisky bezeichnen. Denn viele Erfahrungen zu einzelnen Produkten sind zwar in unseren Köpfen abgespeichert und verankert, jedoch sollte man sich immer mal wieder einen Standard Single Malt gönnen, um die Größe wieder zu Erschmecken. Ein wahrlich wunderbarer Malt mit einer grandiosen Weichheit und Fruchtigkeit.

Produkte & Geschmacksprofil

Oban Single Malt Scotch Whiskys sind sehr gut ausbalancierte Produkte, mit dem Geschmack von reifen Zitrusfrüchten, vorrangig Orangen, Honignoten und einer leichten Brise salziger Meeresluft. Oban Highland Whiskys sind reichhaltig, welches durch die lange Vergärzeit während der Fermentationsphase noch begünstigt wird. Die Tiefe an Aromen mit etwas salzigem Karamell lässt sich zusätzlich beim Geniessen gut erkennen. Der Körper des Oban Whisky ist voll und reichhaltig. Er zeigt geschmacklich leichten Rauch bei mittlerem Volumen und appetitanregender Würze. Zusammengefasst könnte man Oban folgendermaßen beschreiben.

Hausstil von Oban: Orangenfruchtig und leicht würzig mit Honignoten. Ein mittelschwerer Malt. Leicht rauchig und Nuancen von Salz.

Im Standardsortiment wird der leckere 14-jähriger angeboten sowie die jährlich im Herbst erscheinende Distillers Edition. Für den DE wird jährlich etwa 1% der Standardreifung selektiert und zum Finishing für etwa 5 bis 7 Monate in große Sherry Butt Eichenfässern eingelagert. Der Dritte im Bunde ist der Little Bay, benannt nach dem gaelischen Namen der Ortschaft Oban (Kleine Bucht). Nicht unerwähnt bleiben sollen die nur einmalig erhältlichen Varianten Night Watch aus der Game of Thrones Serie, ein 21-jähriger aus der Special Release Serie sowie ausschließlich im Distillery-Shop erhältliche Bottlings.


Oban 14 Jahre Highland Single Malt Scotch Whisky

Der Oban 14 Jahre repräsentiert schon seit der Einführung der Classic Malts of Scotland Whisky Serie im Jahr 1987 die westlichen Highlands.

Dieser Oban ist ein Zusammenspiel von leichtem Rauch, mittlerer Kraft und appetitanregender Würze am Gaumen. In den zweihundert Jahren seit dem sich die Brennerei in dem kleinen Fischerdorf etablierte, hat sich rund um die Oban Destillerie ein geschäftiger Küstenort entwickelt. Die West Highland Malts werden immer noch auf die gleiche unaufgeregte, traditionelle Weise wie in früheren Tagen hergestellt.

Aroma: Reiche Süße und Früchte; Orangen, Zitronen und Birnen, mit Seesalz und torfiger Rauchigkeit.

Geschmack: Voller und reichhaltiger Körper. Mundfüllende Spätherbstfrüchte; getrocknete Feigen und honigsüße Gewürze; gefolgt von rauchig-malziger Trockenheit.

Abgang: Langer, glatter und süßer Abgang mit Eichenholz, Trockenheit und einer Prise Salz.


Oban Little Bay Highland Single Malt Scotch Whisky

Im Jahre 2015 wurde mit dem Oban Little Bay, eine Hommage an die Stadt Oban mit der wunderschönen Bucht, in eine neue Standardabfüllung gegossen. Der gälische Ortsname Oban bedeutet übersetzt ins Englische auch Little Bay, also kleine Bucht. Dieser Highland Single Malt wird in kleinen Batches produziert und erhielt eine Reifung in den sehr kleinen Eichenfässern.

Die beste Aussicht auf diese Kleine Bucht ist oberhalb der Stadt beim McCaig’s Tower mit weiten Blicken über Oban bis zu den hohen Bergen der Isle of Mull.

Oban Little Bay Whisky Brennerei Bucht vom McCaig´s Tower aus gesehen im Juli 2013
Oban Little Bay Whisky Brennerei Bucht vom McCaig´s Tower aus gesehen im Juli 2013

 

Aroma: Anfänglich zeichnet er ein leicht zurückhaltendes Auftreten, wird souverän und gewinnt schnell an Volumen und Intensität. Süsse mit Noten reifer Gartenfrüchten die durch kräftige fruchtige Orangen begleitet werden. Danach erhält die Nase Spuren von Salz, Rauch und Minze.

Geschmack: Kompakt und einhüllend geht er seinen Weg. Süßer Zucker und leicht minzige Noten am Gaumen. Vollmundig und wärmend mit der angenehm süsser Zähigkeit eines reichhaltigen, fruchtigen Malzbrotes erreichen die Zunge. Anklänge von Orangenschale, Nelken und grünem Apfel.

Abgang: Lang anhaltend. Voll und zugleich weich. Süsse mit dunkler Schokolade und Minze und spürbaren Nuancen von Zedernholzrauch am Ausklingen.


Oban Distillers Edition Highland Single Malt Scotch Whisky

Aus der jährlichen Produktionsmenge wird etwa 1% zur limitierten Distillers Edition. Hierzu werden Eichenfässer in den Warehouses mit Standardreifung wie vom 14-jährigen selektiert und nochmals umgelagert in große europäische Eichenfässern, in denen spanischer Sherry (Montilla Fino) reifte. Die Brände lagern für das Finishing in den Sherry Butts für wenige Monate und geben dem Endprodukt deutlich mehr Farbe und geschmackliche Tiefe.

Aroma: Herausragend intensiv. Fruchtig und scharf. Eine intensive salzige Meeresbrise. Fruchtige Trauben und Anklänge von Rauch. Äußerst komplex.

Geschmack: Voll und kräftig. Der explosivste Oban aller Zeiten. Wow! Weiches Malz. Dann Welle um Welle delikater werdend. Vollmundige Fruchtnoten mit einer Flut von Meerwasser.

Abgang: Gesüßter Jamaika-Kaffee und Eichenholz verwoben mit einem attraktiven Malzplätzchen. Charaktervoll im Abgang.

Faßtyp: Erste Reifung: Refill-Fässer aus amerikanischer und europäischer Eiche. Zweite Reifung: Ex-Bodega-Montilla-Fino-Fässer aus wieder ausgeflammter amerikanischer Eiche mit stark wieder ausgeflammten neuen Enden (amerikanische Eiche).


Oban Geschichte

Eigentlich beginnen die ersten Aktivitäten schon 1793, als die beiden Stevensen Brüder mit dem Brauen an der Westküste von Schottland beginnen. Ein Jahr später, wir schreiben das Jahr 1794, kommt schließlich die Destillation mit dazu. Ort des Geschehens ist die Kleine Bucht (Little Bay) genau am heutigen Standort der Distillery in der High Street von Oban. Vorangegangen waren die Angebote des Duke of Argyll an Neuunternehmer, der niedrige Zinsen für Willige anbot, wenn diese ein Haus für ihre Unternehmung bauen würden. Die beiden aufstrebenden Stevenson Brüder nahmen die Herausforderung dankend an und kauften darauf gleich die Insel Belnahua, um im Steinbruch Schiefer abzubauen. Die beiden waren ambitioniert, denn sie sollten nicht nur ein Haus sein, sondern gleich eine ganze Stadt, die später den Namen Oban tragen wird.

Die Oban Distillery sollte dann auch bis in das Jahr 1866 in Händen der Familie bleiben, bis der Scotch Whisky Hersteller an den lokalen Geschäftsmann Peter Cumstie verkauft wird. Dieser wiederum veräußert Oban im Jahre 1883 weiter an John Walter Higgin. Es war damals noch ein zartes Pflänzchen mit der Herstellung von Gerstenbränden, jedoch der Name Oban Whisky erhielt immer mehr Bedeutung.

Heute mag es einfach sein die Westküstenstadt zu erreichen, jedoch muss man verstehen, die abgelegenen Orte der Highlands waren im 19. Jahrhundert fast durchgängig schwer zu erreichen. Somit verbreiteten sich Nachrichten sehr langsam und auch der Transport von Gütern war mühsam. Viele Produkte kamen damals noch über den Schiffsweg und auch der fertige Whisky wurde in pulsierende Städte wie Glasgow oder Übersee mit Schiffen abtransportiert. Dies änderte sich schlagartig ab 1888 als das immer größer werdende Schienennetz der schottischen Bahn auch die Westküste aus dem Süden heraus erreichte. 

Der Erfolg wurde ebenfalls größer mit dem durch Higgins vorangetriebenen Umbau in die Brennerei, so wie man sie nahezu heute im 21. Jahrhundert noch kennt. Erst im Jahr 1898 veräußerte Mr. Higgins sein Werk weiter an einen Großen in der Branche Namens Alexander Edward, der schon in der heutigen Speyside Region die Aultmore Distillery und Craigellachie Distillery gründete und zum Erfolg verhalf. Der neue Eigentümer hielt Oban lange bis in das Jahr 1930 als die gefrässige DCL, ein historischer Vorläufer der heutigen Diageo, auch diese Brennerei in ihren Schoss übernahm.

In den 1960er Jahren, nach den verherrenden Weltkriegen, wuchs die Scotch Whisky Industrie rasant, und der Eigentümer wollte ab 1968 eigentlich die Produktion schließen. Dabei besann man sich glücklicherweise eines Besseren und baute nochmals um was im heutigen Stillhouse mündet. Die Entscheidung gab den Eigentümern ab 1989 Recht, denn Oban wurde im immer wichtiger werdenden Single Malt Whisky Geschäft ein wichtiger und früher Mitspieler, durch die Auflegung der Oban 12 Jahre Highland Scotch Whisky Eignerabfüllung. Im Jahr 1989 gab es nochmals eine signifikante Anpassung zum heutigen Oban 14 Jahre Whisky und die frühe Aufnahme in die Classic Malts Selection of Scotland, in der alle Regionen Schottlands mit mindestens einem Vertreter präsentiert werden. 

Heute ist der US-Markt für Oban der Wichtigste, da etwa 90 Prozent aller Produktionsmengen Richtung Nordamerika verschifft werden. Auch die Besucherzahlen von fast 40.000 Köpfen pro Jahr können sich mehr als nur sehen lassen.


Oban Eigentümer

Konzern

Diageo plc

1997 bis heute

Derzeitiger Eigentümer

United Distillers

1986 bis heute


Frühere Eigentümer

  • 1925 bis 1986 – Distillers Company Limited (DCL)
  • 1923 bis 1925 – John Dewar & Sons
  • 1898 bis 1923 – Oban & Aultmore-Glenlivet Co
  • 1883 bis 1898 – James Walter Higgin
  • 1866 bis 1883 – Peter Curnstie
  • 1794 bis 1866 – Stevensen Familie

 


Oban Timeline

1793

Die Stevensen Brüder brauen erstmals in Oban

1794

Zum Brauen kommt erstmals die Destillation hinzu

1820

Mr. Hugh Stevensen verstirbt und sein Sohn Thomas übernimmt ein Jahr später die Geschäfte

1829

Stevensen ist bankrott und sein ältester Sohn John kauft danach die Brennerei

1866

Oban verlässt die Familie mit dem Verkauf an Peter Cumstrie

1883

James Walter Higgin kauft Oban und baut diese um

1888

Oban bekommt einen Bahnanschluss von südlich gelegenen Glasgow

1923

Der Standort wird an die Oban Distillery Co. verkauft ein Teil von John Dewar & Sons

1925

Die DCL übernimmt Oban

1930

Die SMD übernimmt Oban

1931

Der neue Eigentümer schließt Oban für die folgenden sechs Jahre

1968

Die Oban Fertigung wird erneut für vier Jahre geschlossen und dabei erweitert

1979

Der Oban 12 Jahre wird gelaunched

1989

Der 12-jährige wird gerelaunched als Oban 14 Jahre

 


Oban Kurios

Um die Brennerei herum entstand Ende des 18. Jahrhundert die gleichnamige Stadt Oban. Die Erweiterung hinter der Brennerei mit Warehouses  musste 1890 jedoch nach archäologischen Funden gestoppt werden. Man fand etwa 5000 Jahre alte Überresten von sechs Erwachsenen und vier Kindern im Berg.

 



Lage der Brennerei