Glengyle Distillery
Es ist das zweite Leben der Glengyle Distillery in Campbeltown. Das Herz der ersten Glengyle Brennerei hörte final auf zu schlagen 1925 mit der endgültigen Schließung. Es war damals eine schwierige Zeit in den 1920er Jahren, der gut 26 Jahre zuvor der schottische Pattison Crash voraus ging, der 1. Weltkrieg, die Ausdünnung und Konzentration der vielen Campbeltown Whisky Brennereien und der Beginn der US-Amerikanischen Prohbition. Alles nichts gutes mit dem volatile Whisky Geschäft für Brennbetriebe. Dabei war Glengyle nicht die einzigste die im Campbeltown schließen musste.
Ende 2002 fing das Herz der neuen Glengyle Malt Whisky Brennerei wieder an zu schlagen. Der Eigentümer der Gebäude, die Springbank Brennerei, hatte das große Interesse die Produktion bei Glengyle wieder zu starten. Jedoch stand ausser der Gebäudehülle nicht mehr viel von Glengyle.
In der ersten Hälfte des Jahres 2003 wurde das gesamte Brauequipment wieder neu aufgebaut, wobei der Großteil der Technik vom Spezialisten Forsyth´s of Rothes stammte. Der Rest wurde in der zweiten Hälfte des Jahres von weiteren Anbietern geliefert und installiert.
Am 25. März 2004 war es endlich soweit und die neue Glengyle Distillery wurde durch Winnifred Ewing and Hedley Wright eingeweiht und eröffnet.

Glengyle Fakten im Überblick
Region
Schottland, Campbeltown
Whisky-Gattung
Malt Whisky
Status
In Betrieb
Erste Gründung
1872
Zweite Gründung
2004
Marken
Kilkerran
Nachbarn
Glengyle/Kilkerran Produktionsdaten im Detail
Kilkerran gehört zu den ungewöhnlichsten Single Malts Schottlands. Nicht nur die vergleichsweise kleine Glengyle Distillery in Campbeltown macht den Whisky besonders, sondern vor allem die Art und Weise, wie dort produziert wird. Während viele schottische Brennereien einen großen Teil des Jahres in Betrieb sind, konzentriert sich die Produktion von Kilkerran auf lediglich rund zwölf Wochen beziehungsweise drei Monate im Jahr.
Der Grund dafür liegt in der engen Verbindung zur benachbarten Springbank Distillery. Glengyle und Springbank gehören zur gleichen Unternehmensgruppe und teilen sich Produktionsmannschaft und Produktionskalender. Typischerweise läuft Glengyle deshalb nur von etwa Oktober bis Dezember. Außerhalb dieses Zeitraums findet keine Kilkerran-Destillation statt.
Diese Konzentration auf wenige Wochen bedeutet allerdings keineswegs, dass während dieser Zeit immer derselbe New Make produziert wird. Im Gegenteil: Die zwölf Produktionswochen werden gezielt auf unterschiedliche Kilkerran-Stile verteilt. Neben dem klassischen leicht getorften und zweifach destillierten Kilkerran entstehen auch stark getorfter, ungetorfter und sogar dreifach destillierter Spirit.
1. Das Malz – traditionelle Verbindung zu Springbank
Die Herstellung beginnt bereits beim Malz. Kilkerran betont, dass sämtliche wesentlichen Arbeitsschritte innerhalb Campbeltowns durchgeführt werden. Das traditionelle Floor Malting findet bei der Schwesterbrennerei Springbank statt. Von dort gelangt das vorbereitete Malz zur Glengyle Distillery.
Eine Besonderheit ist dabei, dass für Kilkerran unterschiedliche Torfgrade eingesetzt werden. Damit wird bereits beim Malz einer der wichtigsten Parameter für den späteren Charakter des Whiskys festgelegt.
Der klassische Kilkerran-Stil ist leicht getorft. Daneben produziert Glengyle jedoch gezielt einen wesentlich stärker getorften Spirit. Der heutige Kilkerran Heavily Peated liegt laut Brennerei bei ungefähr 45 ppm und unterscheidet sich damit deutlich vom subtileren Rauchprofil des klassischen Kilkerran.
Hinzu kommt eine kleine Menge vollständig ungetorften Spirits.
2. Maischen – vom Malz zur Würze
Nach dem Schroten des gemälzten Getreides beginnt in Glengyle der eigentliche Brauprozess. Das geschrotete Malz wird mit heißem Wasser vermischt, damit sich die während des Mälzens entstandenen löslichen Zucker aus dem Getreide lösen können.
Das Ergebnis ist die zuckerhaltige Würze – die Grundlage für die anschließende Fermentation.
Gerade bei einer handwerklich arbeitenden Brennerei wie Glengyle ist dieser Teil der Produktion nicht isoliert zu betrachten. Die Philosophie besteht darin, die Herstellung des Whiskys möglichst vollständig selbst beziehungsweise innerhalb der eigenen Strukturen in Campbeltown durchzuführen – vom Mälzen bis zur späteren Abfüllung.
3. Fermentation – aus Würze entsteht Wash
Die Würze gelangt anschließend in die Washbacks und wird mit Hefe versetzt. Nun beginnt die Fermentation. Die Hefe wandelt den vorhandenen Zucker hauptsächlich in Alkohol um.
Dabei entsteht jedoch wesentlich mehr als nur Alkohol. Während der Fermentation entwickeln sich zahlreiche Ester und andere Aromaverbindungen, die später einen wichtigen Teil des Kilkerran-Charakters ausmachen.
Am Ende steht eine bierähnliche Flüssigkeit – der sogenannte Wash. Dieser bildet die Ausgangsbasis für die eigentliche Destillation.
4. Destillation – vier verschiedene Kilkerran-Stile
Besonders interessant wird die Produktion bei der Destillation. Glengyle nutzt seinen kurzen Produktionszeitraum bewusst dazu, mehrere unterschiedliche Spirit-Typen herzustellen.
Von den insgesamt rund zwölf Produktionswochen entfällt der größte Teil auf den klassischen Kilkerran-Stil:
Sieben Wochen werden überwiegend für leicht getorften und zweifach destillierten New Make genutzt.
Weitere drei Wochen sind der Produktion des Heavily Peated Spirits vorbehalten.
Hinzu kommen jeweils eine Woche für ungetorften Spirit und eine Woche für dreifach destillierten Spirit.
Damit ergibt sich eine bemerkenswert klare Produktionsstruktur:
- 7 Wochen – Lightly Peated / Double Distilled
- 3 Wochen – Heavily Peated / Double Distilled
- 1 Woche – Unpeated
- 1 Woche – Triple Distilled
Gerade diese Aufteilung zeigt, dass Kilkerran trotz der kleinen Produktionsmenge keineswegs nur einen einzigen Brennereicharakter verfolgt.
5. Der klassische Kilkerran – sieben Wochen im Mittelpunkt
Mit sieben von zwölf Wochen nimmt der klassische Lightly Peated, Double Distilled Kilkerran den mit Abstand größten Teil der Produktionszeit ein.
Dieser Spirit bildet die Basis des typischen Kilkerran-Charakters und unter anderem des Kilkerran 12 Years Old. Die Brennerei beschreibt diesen Whisky als leicht getorft mit den charakteristischen Zitrusnoten und einer für Campbeltown typischen Öligkeit.
Der Kilkerran 12 wird mit 46 % Vol. abgefüllt und aktuell aus einer Kombination von 70 % Bourbon- und 30 % Sherryfässern zusammengestellt.
Dieser leicht rauchige, ölige und oftmals etwas mineralisch wirkende Charakter ist gewissermaßen das geschmackliche Fundament der Brennerei.
6. Kilkerran Heavily Peated – drei Wochen für deutlich mehr Rauch
Einen vollkommen anderen Eindruck vermittelt der Heavily Peated Kilkerran.
Für diesen Spirit reserviert Glengyle ungefähr drei der zwölf Produktionswochen. Das Malz weist einen deutlich höheren Torfgehalt auf. Die Brennerei gibt für Kilkerran Heavily Peated rund 45 ppm an.
Damit entsteht ein wesentlich kräftigerer Rauchcharakter als beim klassischen Kilkerran. Die Heavily-Peated-Abfüllungen erscheinen derzeit zweimal jährlich in Batches, werden in Fassstärke abgefüllt und reifen typischerweise überwiegend in Bourbonfässern.
Dass nur etwa ein Viertel der jährlichen Produktionszeit für diesen Spirit vorgesehen ist, macht gleichzeitig deutlich, weshalb Heavily Peated mengenmäßig eine wesentlich kleinere Produktionslinie darstellt als der klassische Kilkerran.
7. Unpeated Kilkerran – nur eine Produktionswoche
Noch deutlich kleiner ist das Produktionsfenster für den ungetorften Kilkerran Spirit.
Lediglich eine Woche pro Produktionsperiode ist laut Glengyle für diese Variante vorgesehen.
Hier wird vollständig auf den Einfluss von Torfrauch aus dem Malz verzichtet. Dadurch lässt sich der eigentliche Brennereicharakter von Glengyle wesentlich unverfälschter beobachten: Fruchtigkeit, Getreidenoten, Öligkeit und die typischen Campbeltown-Einflüsse treten stärker in den Vordergrund.
Gerade aufgrund der sehr kleinen Produktionszeit ist dieser Spirit auch langfristig ein interessanter Bestandteil der Kilkerran-Lagerbestände.
8. Triple Distilled – ebenfalls nur eine Woche
Die vielleicht ungewöhnlichste Variante entsteht während einer weiteren einzelnen Produktionswoche.
Statt der für Kilkerran üblichen zweifachen Destillation wird dieser Spirit dreifach destilliert. Auch hierfür reserviert Glengyle lediglich eine der zwölf Produktionswochen.
Durch die zusätzliche Destillation verändert sich der Charakter des New Makes. Tendenziell entsteht ein leichterer und feinerer Spirit, wodurch sich später im Fass eine andere Interpretation des Kilkerran-Charakters entwickeln kann.
Diese Produktion zeigt sehr schön, dass Glengyle seine vergleichsweise kleine Jahresproduktion zugleich als Experimentierfeld nutzt.
9. Fassreifung – aus New Make wird Kilkerran
Nach der Destillation beginnt der mit Abstand längste Produktionsschritt: die Reifung.
Der New Make wird in unterschiedliche Fassarten gefüllt und anschließend in Campbeltown gelagert. Bourbon- und Sherryfässer spielen dabei eine zentrale Rolle, daneben experimentiert Kilkerran immer wieder mit weiteren Fassarten.
Wie unterschiedlich die Fassreifung eingesetzt werden kann, zeigt beispielsweise der Kilkerran 8 Years Cask Strength. Diese jährlich erscheinende Abfüllung wurde bereits vollständig in Bourbon-, Port- oder Sherryfässern gereift.
Beim Kilkerran 16 Years kann die Fasszusammensetzung von Jahr zu Jahr ebenfalls leicht verändert werden. Dadurch entstehen trotz gleicher Altersangabe unterschiedliche Interpretationen des Brennereicharakters.
10. Abfüllung – auch sie bleibt in Campbeltown
Die Philosophie endet nicht mit der Fassreifung. Auch die Abfüllung der Kilkerran Whiskys erfolgt innerhalb der eigenen Strukturen in Campbeltown.
Glengyle hebt ausdrücklich hervor, dass der Produktionsprozess vom traditionellen Floor Malting bei Springbank bis hin zur Abfüllung der fertigen Editionen in der eigenen Bottling Hall in Campbeltown durchgeführt wird.
Damit bleibt ein außergewöhnlich großer Teil der Wertschöpfung vor Ort.
Nur zwölf Wochen – aber vier verschiedene Spirit-Typen
Gerade die Produktionsstruktur macht Kilkerran so interessant. Die Glengyle Distillery arbeitet nur ungefähr drei Monate im Jahr. Innerhalb dieser kurzen Zeit werden jedoch gleich vier unterschiedliche Spirit-Varianten erzeugt.
Der Schwerpunkt liegt mit sieben Wochen auf dem klassischen, leicht getorften und zweifach destillierten Kilkerran. Dazu kommen drei Wochen Heavily Peated sowie jeweils eine Woche Unpeated und Triple Distilled.
Die Produktion ist damit nicht auf maximale Menge ausgelegt. Vielmehr ermöglicht die Aufteilung Glengyle, aus derselben Brennerei unterschiedliche Facetten des Kilkerran-Charakters zu entwickeln.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Kombination aus traditioneller Arbeitsweise und ungewöhnlich hoher Eigenleistung: Das Malz wird bei Springbank in Campbeltown traditionell gemälzt, Kilkerran wird in Glengyle produziert und gereift, und auch die fertigen Whiskys werden wieder in Campbeltown abgefüllt.
Diese Verbindung aus kleiner Produktionsperiode, traditioneller Herstellung, verschiedenen Torfstufen, unterschiedlichen Destillationsverfahren und langfristiger Fassreifung gehört zu den wesentlichen Gründen, warum Kilkerran innerhalb der schottischen Whiskylandschaft eine so besondere Stellung einnimmt.
Und die Geschichte ist vergleichsweise jung: Nachdem die historische Glengyle Distillery bereits 1925 ihre Produktion eingestellt hatte, wurde sie ab 2000 wieder aufgebaut. Am 25. März 2004 wurde schließlich erstmals wieder Spirit destilliert – der Beginn des heutigen Kilkerran Single Malt.
Glengyle Geschichte
Die erste Glengyle Distillery bestand zwischen den Jahren 1872 bis 1925. Gegründet wurde diese Campbeltown Destillerie durch William Mitchell, nachdem es zu einem Streit mit seinem Bruder John kam, Beide waren damals bei Springbank beschäftigt. Die Konsequenz, William Mitchell entschloss sich seinen Arbeitsplatz zu verlassen und die Glengyle Brennerei in der Stadt zu gründen, die dann ein halbes Jahrhundert lang bestand.
Ausser den entkernten Gebäuden war bis Anfang des 21. Jahrhundert fast nichts mehr übrig geblieben. Und genau zum Start des neuen Millenium entschied sich die Mitchell Familie, Eigentümer der Springbank Distillery, die Glengyle Brennerei nochmals vollkommen neu aufzusetzen. Dies wurde 2002 mit teilweise gebrauchtem Equipment in Angriff genommen worden. Nachdem die Ben Wyvis Distillery, die innerhalb der Invergordon Grain aufgebaut war, ihren Dienst 1976 einstellte wurden die Pot Stills vorsorglich beiseite gestellt. Somit hat das betagte Kupfer wieder eine neue Anwendung bei Glengyle erhalten.
Und da kommt Frank McHardy ins Spiel, der seine Karriere bei Springbank 1997 startete. Er ist heute das Gesicht der Campbeltown Brennerei, der auch selbst stark die Markenerweiterung pushte und selbst in Irland sein Wissen bei Bushmills einbrachte. McHardy war auch maßgeblich dafür verantwortlich die Produktpalette bei Springbank mit dem Heavily-Peated Longrow Malt und dem Triple-Distilled Hazelburn weiter auszubauen. Frank McHardy war auch dafür verantwortlich zwischen den Jahren 2000 bis 2004 für die Glengyle Distillery das Layout zu legen und mit neuem Equipment zu bestücken.

Glengyle Eigentümer
Aktueller Eigentümer
J&A Mitchell & Company
2000 bis heute
Frühere Eigentümer
- 1957 bis 1970 – Campbell Henderson
- 1940 bis 1957 – Bloch Brothers
- 1919 bis 1924 – West Highland Malt Distillers
- 1872 bis 1919 – William Mitchell
Glengyle Timeline
1872
Gründung der Glengyle Distillery durch William Mitchell
1919
Die Geschäfte laufen schlecht, Verkauf an West
2000
Neugründung der Mitchell’s Glengyle Ltd.
2004
Produktionsbeginn in der neu ausgestatteten Brennerei








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