RUM – Am Anfang war das Zuckerrohr – Eine geschichtliche Reise

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Einleitung

Ehrlich! Alles beginnt bzw. begann damals mit der Herstellung von Zucker auf den Karibischen Inseln und verschiedenen Staaten von Amerika. Zu damaliger Zeit, ab dem 16. Jahrhundert, dachte noch niemand an Destillate, die auf Basis von Zuckerrohrpflanzen fusste. Es war rein der Zucker auf den es die Europäer abgesehen hatten um damit eine Menge an Geld zu verdienen. Denn Weißes Gold, ein weitere Name für den frühen Zucker, wurde damals als Luxusgut bei den betuchteren Gesellschaftsschichten Europas gehandelt. Zucker wird neben verschiedenen anderen Zuckerarten als ein süß schmeckendes, kristallines Lebensmittel bezeichnet, was die Kunden gerne annahmen um ihre Speisen und Getränke zu veredeln. Selbst heilende Kräfte hatte man dem Zucker früher zugestanden.

These 1 – Rum ist die Geschichte des Zucker


Geschichtliche Stationen

Schauen wir uns gemeinsam in einem kurzen Überblick die Daten die Herkunft, Domestizierung und Kulturgeschichte der Zuckerrohrpflanze an. Denn der Weg führte historisch aus dem fernen Asien über den Mittleren Osten und Nordafrika nach Südeuropa bis in die Neue Welt der Karibik:

  • Ca. 8000 v. Chr. – Die ältesten Zuckerrohr-Funde stammen aus Melanesien und Polynesien.
  • Ca. 6000 v. Chr. – Das Zuckerrohr gelangte von Ostasien über Indien und Persien weiter Richtung Westen.
  • Ab ca. 300 n. Chr. – Zucker, botanischer Name Saccharum, wurde im Römischen Reich als Luxusgut sehr reicher Patrizier nachgewiesen. Diese ließen die Waren aus Indien bzw. Persien nach Westen importieren.
  • Ca. 600 n. Chr. – Dokumentierte Zuckergewinnung in Persien. Die Menschen verarbeiteten heißen und mit Klärmitteln (eiweißhaltige Stoffe und Kalk) behandeltem Zuckerrohrsaft. Mit diesem wurden Holz- oder Tonkegel befüllt. An deren Spitzen kristallisierte der Zucker aus und es entstand der Zuckerhut.
  • Ca. 1100 n. Chr. – Mit den Kreuzfahrern nahm der Zucker seine nächste Etappe seit der Antike und gelangte nach Südeuropa auf die Iberische Halbinsel. Jedoch blieb es weiterhin Luxusgut und teils Arzneimittel.
  • Im Jahr 1493: Zuckerrohrpflanzen gelangten mit Christopher Kolumbus in die Karibik. Die Spanier, Portugiesen, Engländer und Franzosen starteten nach und nach den Anbau auf immer größer werdenden Plantagen.
  • Ab dem 16. Jahrundert  – Rohrzucker wurde zunehmend von den Westindischen Inseln der Karibik nach Mitteleuropa eingeführt und von den kolonialen Händlern ab dem 17. Jahrhundert häufiger auch als, „white gold“ das Weiße Gold bezeichnet, verkauft.

Startpunkt Hispaniola

Kolumbus fuhr nicht nur einmal über das Meer hinaus in die Neue Welt um das geplante Ziel, Indien, zu erreichen. Auch heute noch werden deshalb die Großen und Kleinen Antillen liebevoll die Westindischen Inseln genannt. Es sollte 1493 auf seiner zweiten Fahrt sein, als ihm Isabella I., Königin von Kastilien, auftrug Zuckerrohrsetzlinge mit auf die Reise zu nehmen. Tatsächlich schaffte es die Mannschaft auf denSchiffen bis zum Erreichen von Hispaniola, den heutigen Staaten Haiti und der Dominikanischen Republik, mit der Bildung ersten Kolonien das Zuckerrohr erfolgreich anzupflanzen.

These 2 – Rum ist die Entdeckung Amerikas


Melasse – Abfallprodukt und die Zufallsentdeckung

Schaut man sich die Entwicklung der Rum-Spirituose etwas genauer an, handelte es sich um eine reine Zufallsentdeckung mit der Entstehung von leichtem Alkohol aus den Abfallprodukten bzw. Rückständen der Zuckerproduktion, der Melasse.

These 3 – Ohne Sklaven gäbe es keinen Rum

Für die Domestizierung und Ernte der reifen und hoch aufgewachsenen Zuckerrohrpflanzen benötigten die frühen Zuckerbarone viele kräftige Arbeiter, die die Spanier hauptsächlich in den kräftigen Westafrikanern fanden, die sie versklavten und auf die Inseln der Karibik brachten. Durch die Verschleppung der Menschen waren es auch durchaus billige Arbeitskräfte, da kein Lohn für die Schufterei gezahlt werden musste.

Und genau hier kommt wieder die Melasse wieder ins Spiel. Dieser Zuckersirup ist ein Nebenerzeugnis, damals ein Abfallprodukt, der Zuckerproduktion. Was man früher nicht genau wusste, die dunkelbraune und zähle Masse der Melasse enthält immer noch etwa 60 Prozent an Zucker und organische Säuren, Betain, Vitamine und anorganische Salze. Damit wurde die Melasse auch zum verfügbaren und kostenneutralen Nahrungsmittel für die versklavten Arbeiter.

Mit Wasser vermengt wird die Konsistenz wieder flüssiger und ohne weiteres Zutun tritt nach einiger Zeit eine natürliche Fermentierung durch Hefepartikel in der Luft ein. Diese Gärung der Melasse führt unweigerlich zu einer Art Zuckerwein mit einigen Prozenten an Alkohol. Damit war der erste Schritt getan Richtung einfachem Zuckerrohrschnaps, es fehlte nur noch die Destillation und später die Reifung. Gegen Ende des 17. Jahrhundert verdichteten sich die Überlegungen das Abfallprodukt wirtschaftlich zu nutzen und weiteren Profit ausser dem Zucker zu machen. Der Wareneinsatz ging fast gegen Null was enorme Gewinnspannen und Einnahmequellen versprach.


Die Entstehung des Namen RUM

Nun hatte man den Weg zu einfachen bis Edelbränden direkt aus Zucker in der Karibik gefunden, dann musste auch ein adäquater Name dafür her. Dieser wurde schnell gefunden als „Wasser des Leben“ oder „Eau de Vie“ und auch „Aguardente„. Die Portugiesen destillierten zuerst auf Madeira und später in Brasilien und gaben dem Feuerwasser den Namen „Cachaca„. Die Engländer wiederum hatten die Namen „Rum Bullion“ oder „Kill Devil“ vorgesehen während die Spanier ihren Schnaps als „Berbaje“ benannten.

These 4 – Der Genius des Rum ist die Fähigkeit aus dem Nichts entstanden zu sein


Die Royal British Navy

Vielleicht könnte man die britische Marine auch als frühen Geburtshelfer für Rum benennen. Denn sie waren es schließlich, die dem Zuckerrohrschnaps zum Siegeszug über die Meere verhalfen. Die Engländer waren auf ausgedehnten Reisen sowohl in der Karibik als auch dem Rest der Welt unterwegs, um der Krone Ländereien, Schätze und Waren zu beschaffen. Aber da waren einige nicht zu unterschätzende Probleme auf den langen Seereisen. Das geliebte Bier wurde bald sauer und das Wasser in den Bottichen faulte irgendwann dahin und wurde ungenießbar. Auf der karibischen Insel Jamaika schauten die Briten dann ab bei den Franzosen ein alkoholisches Getränk ab, das auf ihren Schiffen oft ausser Brandy oder Cognac getrunken wurde, der Rhum.

Im Vergleich zu in Europa hergestellten Schnäpsen war der in der Karibik gebrannte „Kill Devil“ extrem günstig. Somit wurde ab 1655 durch die britische Admiralität anstatt einer Solderhöhung für die Marinesoldaten eine Rum-Ration von bis zu 1 Pind pro Tag einzuführt.


RUM, RON und RHUM

Aus umfänglicher Sicht betrachtet gab es mit den Spaniern, den Briten und den Franzosen drei starke europäische Mächte, die zur Eroberung in die Welt auszogen. Durch die diversen Sprachen ergaben sich auch zwangsläufig mehrere Namen für das Hochprozentige Getränk.


RON – der Spanische

Die Spanier haben es im Laufe der Jahrhunderte durch verschiedene Technologien geschafft einen Leichten und Süffigen Ron herzustellen. Man sagt diesem Rumstil auch eine Vollmundigkeit, Süße und Milde nach. Die Herstellung erfolgt entweder aus Melasse oder dem Virgin Sugarcane Honey.

Wichtige Spanische Ron Länder sind

Kuba

Puerto Rico

Dominikanische Republik

Venezuela


Guatemala

Nicaragua

Panama

Kolumbien


Peru

Costa Rica

Ecuador

 


Spanischen Rum genießt man gerne in einem Mixer als Mojito oder als Pina Colada. Auch die Variante mit Eiswürfen für ausgewählte Produkte sind viele Geniesser nicht abgeneigt.


RUM – der Britische

Der Britische Rumstil ist ein gänzlich anderer als bei den Spaniern. Die Würze und Lebhaftigkeit stehen bei diesen Produkten im Vordergrund. Meinst sind diese Rums auch etwas Kräftiger, Gehaltvoller und Dichter im Gesamtbild. Hergestellt werden die Produkt des Britischen Stil hauptsächlich aus Melasse.


Trinidad und Tobago

Antigua und Barduba

Barbados

Amerikanische Jungferninseln


Britische Jungferninseln

Jamaika

Saint Lucia

Guyana


Mauritius

 

 

 


Der Britische Rumstil ist geeignet zum Pur genießen oder als Rum mit Cola. Wie immer geht auch in Kombination mit einem Eiswürfel.

Interessant zu Wissen: Die zum Spanischen und Britischen Rumstil zählenden Marken stellen etwa 99 Prozent aller verkauften Flaschen und Produkte.


RHUM – der Französische

Der Französische Rhumstil ist einzigartig auf der Welt und wird auf nur wenigen Inseln der französisch geprägten Karibik oder Inseln produziert. Denn Rhum muss zwingend und direkt aus frischem Zuckerrohrsaft destilliert werden. Nicht umsonst heißt diese Gattung auch Rhum Agricole. Dies gibt ihm ein verändertes Aroma- und Geschmacksbild mit Fruchtigen und Intensiven Noten. Dazu kommen Blumige und Grasige Aromen wie auch Eleganz und Komplexität.


Martinique

Guadeloupe

Mauritius

Haiti


Guyana

Reunion

 

 


Genossen wird Rhum oft als Ti Punch, einem Mix von Rhum Agricole, Limette und Rohrzucker. Weitere Möglichkeiten sind die Variante Pur oder mit Eiswürfel.


RUM produzierende Länder

Rum, das Zuckerrohrdestillat, wird auch heute noch überwiegend in der Karibik auf vielen unterschiedlichen Inseln und in vielen Marken produziert. Aber man sollte sich dabei nicht blenden lassen, denn die Gattung Rum wird im 21. Jahrhundert weltumspannend nach ähnlichem Muster wie im karibischen Wirtschaftsraum produziert und destilliert. Einen gesamtheitlichen Überblick der Länder und Geo-Regionen erhalten sie in unserem Beitrag RUM – Gesamtübersicht Marken und Länder von A bis Z.

 

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