Die Fassreifung von Whisky und Spirituosen

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Geschichte der Reifung

Hölzerne Behälter für den Transport von Lebensmitteln oder Wein sind schon seit 500 v. Chr. bekannt. Den Kelten wird diese evolutionäre Erfindung der geschlossenen Behältnisse, zusammengesetzt aus einzelnen Holzdauben, zugeschrieben. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen stammen schließlich aus römischen Quellen ab ca. 50 v. Chr. über Holztransportmittel. Diese universellen, stabilen und wiederverwendbaren Behältnisse lösten im Laufe der Zeit die bis dahin sehr beliebten, jedoch zerbrechlichen Tongefässe, wie Dolia und Amphoren ab.

Wahrscheinlich wurden auch die frühen Formen des Malz-Whisky, dem uisgea beatha, in Holzfässern gelagert. Jedoch kannte man zu dieser Zeit die Vorzüge und geschmackliche Verbesserung einer gereiften und gelagerten Spirituosen noch nicht genau. Es war einfach ein Transportmittel vom Herstellungsort der Waren bis zum Lager- und Ausschankort für die Konsumenten. Die Bedeutung einer gereiften und damit deutlich aromatischeren Spirituose stieg deutlich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Man erkannte schließlich dass es anhaltende Veränderungsprozesse innerhalb des Lagerzeit in Farbe, AromaGeschmack und Viskosität gab.

Die Urform des heutigen Whisky, ein einfacher Kornbrand aus gemälzter Gerste, wurde in Schottland urkundlich belegt, seit 1494 auf Anweisung des damaligen Königs James IV für angeblich medizinische Zwecke gebrannt. Mit dem 19. Jahrhundert wurden die Waren dann aus Schottland heraus in die Welt exportiert, und man brauchte Transportmittel, egal ob Flaschen oder Fässer. Aber nicht nur die Iren oder Schotten aus dem späteren Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland sammelten mit der Reifung ungewollt Erfahrungen. Auch die Spanier oder Portugiesen nahmen für ihre Landsleute heimische Ware mit in die Neue Welt der Karibik, sie brachten auch frisch gebrannten Zuckerrohrschnaps, den Aguardente oder Berbaje mit zurück auf die Iberische Halbinsel. Auch sie mussten wohl sehr erstaunt gewesen sein dass sich das Destillat auf der langen Seereise von Westen nach Osten über den Atlantik stark veränderte. Die Zeit während der Reise erzeugte ein verändertes Aromenprofil mit salzigen Noten aus der Umgebung der See oder würzigen Noten aus dem Holz. So erging es vor einigen Jahrhunderten sicherlich vielen Handelsreisenden, die über Land oder die sieben Ozeane flüssige Waren transportierten.

Aus anfänglicher Erfahrung und Verbesserung der einfachen klaren Spirituosen hin zu gereifteren und aromatischeren Schnäpsen kam es dann sogar zu gesetzlichen Vorgaben um die Qualität durchgehend zu halten. Eine Kommission aus dem königlichen Grossbritannien wurde im Jahre 1908 etabliert, um Regeln zu erstellen, wie Scotch Whisky künftig hergestellt werden sollte. Der Bericht wurde schließlich im Jahre 1909 veröffentlicht. Der „The Immature Spirits Act“ ab 1915 sah vor, Scotch Whisky für mindestens 2 Jahre in Fässern reifen zu lassen, was schon ein Jahr darauf, 1916, auf 3 Jahre ausgedehnt wurde, und bis Heute seinen Fortbestand hat.

Eichenbaum aufgeschnitten
Eichenbaum aufgeschnitten

 

Im Jahre 1988 wurde durch den Scotch Whisky Act weitere Parameter festgelegt und deklariert; die Reifung in hölzernen Fässern darf die Kapazität von 700 Litern Fassungsvermögen nicht überschreiten. Und weiter gedacht; die meisten Whisky und Whiskey produzierenden Länder entlehnen sich heute diesen detailliert ausformulierten Reifungsvorgaben der Schotten oder haben dazu ähnliche Regelwerke für die Reifung von Spirituosen aufgestellt.

Wie erhält der Whisky seinen vielfältigen Geschmack?

Während der einzelnen Produktionsschritte bis zum klaren Rohdestillat wird der notwendige Zucker aus der gemälzten Gerste für Malt Whiskys extrahiert und durch Zugabe von Destillierhefe während der Fermentation in einen ersten bierähnlichen Alkohol umgewandelt. Schon alleine in diesem Phasen steckt viel Musik, denn über die Trocknung des Korn kann man Rauch- oder Torfnoten dazu packen während die Hefe beim Fressen des Zucker Esternoten, gleich Frucht, und weitere Aromen bindet.

Für den Gewinn der Rohspirituose rechen Experten heute ein geschmacklicher Anteil von ca. 30% für das später lange gereifte Endprodukt. Aber woher kommen dann die übrigen 70% der unglaublichen Aromenvielfalt an Floralem, Wein, Frucht oder Holz? Dazu bald mehr im nächsten Kapitel.

Vor allem die Fermentation zur ersten Alkoholgewinnung unter Beigabe von spezieller Hefekulturen und das verwendeten Malz bestimmen einen Teil des späteren Geschmack eines Whisky. Das geht im Einklang mit der Destillation und der jeweiligen Charakteristika der eingesetzten Brennapparate, die ebenfalls ihren Teil dazu tun. Hieraus ergibt sich ein Brennereistil, was der Wiedererkennungswert einer jeden und einzelnen Destillerie ist.

Glenmorangie - Fässer warten auf die weitere Verarbeitung
Glenmorangie – Fässer warten auf die weitere Verarbeitung

 

Der frisch erzeugte Hochprozentige, fachsprachlich „new spirit“ genannt, ist vollkommen farblos. Es fehlt ihm noch Finesse, Geschmacksvolumen und Weichheit für einen gewünschten und ausgeprägten Genussstatus.

An dem Punkt denken wir uns nochmals zurück in die Zeit unser Vorväter

  • Die tranken sicherlich auch hochprozentigen Alkohol, der jedoch meist frisch destilliert serviert wurde oder dem nur eine kurze Reifung zuteil kann
  • Geschmacklich waren diese frühen Spirituosen nicht so raffiniert, eher rauh am Gaumen, und oft sehr unterschiedlich im Geschmack zu seinen Vorgängern
  • Ein unreifer und frischer Whisky, der „new spirit“, enthält immer einen scharfen und metallischen  Anteil, den wir heute nicht haben wollen

Genau an dem Punkt kommt das Holz wieder ins Spiel, es nicht nur als stabiles Transportmittel anzusehen, sondern den Vorteil und Mehrwert der Geschmacksgewinnung proaktiv zu nutzen. Die Reifung von Whisky während einer Zeitspanne von vielen Jahren im Faß gibt den Premium-Spirituosen nämlich genau die 70% an Aromen entsprechend der Geschmackseinteilung mit dem Whisky Nosing Wheel in einem unseren weiteren Blog Artikel.

Die Rolle von Holz

Und genau hier beginnt der Prozess der Magie, die heute noch kein Fachmann eindeutig schriftlich belegen kann. Natürlich weiß man in der Zwischenzeit viel über Reifung und Eichenfässern, jedoch ist noch einiges im Dunkeln wie die sich Spirituose zusammen mit dem Holz in unterschiedlichem Terroir verändert.

Jedoch sollte noch vorab angemerkt werden: Ein dicht gebauter Holzbehälter, der nicht vorher wärmebehandelt wurde, wird ein Destillat auch nicht zur glückseligen Reifung bringen können. Denn dem Holz muss zuerst Aktivität und Leben eingehaucht werden, um Spirituosen reifen lassen zu können. Dazu gibt es eine spezielle Kombination der Wärmebehandlung, die mit einer etwas halbe Stunde dauernden Erhitzung in einem großen Backofen beginnt. Hierdurch werden die ca. 3 cm dicken Einzeldauben etwas biegsamer gemacht, fachsprachlich auch toasten genannt, um sie in die spätere Fassform bringen zu können. Dies geschieht bei einer Temperatur von etwa 200 Grad Celsius. Durch die Hitzeprozedur kommt es zur teilweisen Holzverzuckerung, indem die Zelluose karamellisiert wird und Lignin zu Anteilen in Vanillin aufgespalten wird. Nun besitzt das Faß die nötige Voraussetzung und Kraft um die frisch eingelagerte Spirituose zu Reifen anzuregen. Ist das Faß erst einmal aus den einzelnen Dauben vollständig entstanden und auf Dichtigkeit mit Druckluft und Flüssigkeit geprüft, kommt die letzte Wärmebehandlung mit dem Erhitzen oder Ausbrennen der Innenseite in unterschiedlichen Arten je nach Land, Produkt oder Wunschgrad der Aufbreitung.

„Die Preise für gute Fässer liegen bei einfachen Barrels ab 80 Dollar bis gut und gerne mehrere tausend Euro für Sherry-Butts.“

Ist die farblose Rohspirituose dann in das Faß abgefüllt, beginnen verschiedene zeitversetzte Reaktionsströme. Im Laufe der Jahre diffundiert die hochprozentige Flüssigkeit immer weiter in das poröse Holz und interagiert dabei auch mit der Umwelt durch Abkühlen und wieder Erwärmen der Umgebung. Dabei kommt Alkohol in Kontakt mit Lignin und der Zellulose. Der sich über viele Jahre hinziehende Prozess wird in die Subtraktive, die Additive und schließlich die Interaktive Reifung unterteilt.

Slyrs Präsentation Angel Share
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„Die Reifung im Eichenfass gleicht nahezu einem Wunder.“

Das Wissen, mit welcher Alkoholstärke das Destillat die besten den Reifeprozess im Faß beginnt, wurde im Laufe der Jahre empirisch gewonnen. Jede Brennerei hat dafür ihr eigenes Kochrezept, wobei die meisten unter zur Hilfe nahme von frischem Quellwasser ihre Jungspirituose auf etwas 63,5% vol. Alkohol reduzieren und dann in die Behälter einfüllen. Gliedern wir nun zusammen die unterschiedlichen Sequenzen des gesamten Reifeprozesses auf:

Teil 1 – Die Subtraktive Reifung

Wie schon zuvor angedeutet befasst sich die Subtraktive Reifung mit dem Thema Unreinheiten in der jungen Spirituose. Wer schon einmal die Gelegenheit hatte direkt nach dem Entstehen des Hochprozentigen direkt am Spirit Safe eine kleine Kostprobe des klaren Alkohol zu kosten empfindet in der Nase zwar einen süßen Charakter jedoch am Gaumen spürt man wie unreif der „New make“ wirklich ist. Die darin enthaltenden schwefel-, gummiartigen und fleischigen Anteile reduzieren sich im Laufe ihrer Zeit im Faß. In einer gemässigten Klimazone von Irland oder Schottland dauert es jedoch viele Jahre mehr bis sich dieser negative Effekt langsam verliert. Nach drei bis vier Jahren schmeckt man schon den deutlich verbesserten Charakter, jedoch sollte der Whisky für zumindest sechs bis acht Jahre durchgehend reifen, um diese ungewünschten Anteile ein für alle mal zu verlieren. Erfolgt die Reifung in Deutschland, gar in Indien oder Taiwan, beschleunigt sich der Effekt deutlich. Während dieser Subtraktiven Reifung werden die Schwefelverbindungen eher verbessert als nur entfernt, indem sie in subtilere und weniger stark ausgeprägte Formen oxidieren. Damit gibt es auch den Raum frei für Esternoten, eine Stoffgruppe von chemischen Verbindungen, die durch die Reaktion einer Säure und eines Alkohols oder eines Phenols unter Abspaltung von Wasser entsteht. Diese machen den Produkt meist fruchtiger und reichhaltiger im Geschmack.

Teil 2 – Die Additive Reifung

Dieser Anteil der Reifung stattet das Destillat von Beginn an mit Farbe und meisten wichtigen Charakterzügen über die Jahre im Holz aus. Mit zunehmender Zeit der Lagerung zieht das Destillat mehr Aromen aus der Eiche, was bei Überlagerung aber auch ins Negative gehen kann. Hierbei gilt es zu beachten; Fass ist nicht gleich Fass. Noch viel interessanter ist die Tatsache wie bei uns Menschen, jedes Eichenfass egal welches Fassungsvermögen, welches Alter, Ausstattung, Vorbefüllung oder Lagerort wird sich im Laufe der Reifeperiode völlig unterschiedlich entwickeln.

Dabei benutzt die Spirituosenindustrie sowohl jungfräuliche, also neue Fässer, jedoch viel lieber einmal schon vorbelegte Eichenfässer aus unterschiedlichen Geo-Regionen wie Nordamerika oder Europa. Neue Fässer sind so aromenreich, dass es die Produzenten eher ablehnen ihren aufwändig erzeugten Rohalkohol daran zu lagern. Ausser die US-Amerikaner mit ihren Bourbon- oder Tennessee-Whiskeys müssen zwingend Neue Amerikanische Fässern nutzen. Dabei sind schon über viele Jahrzehnte eingesetzte Fässer benutzbar, bieten dem Destillat zwar natürlichen Schutz und die Möglichkeit Aromen aufzunehmen, jedoch wird davon in den Wandungen nicht mehr viel für zu finden sein. Zusammengefasst sind neue Fässer zumeist zu intensiv und sollten schon einmal eine Vorbelegung gehabt haben. Im Umkehrschluss werden ausgelaugte und lange genutzte Fässer nie mehr genügend Aromen an die reifende Spirituose übertragen können.

Unterschieden werden mehrere Eichengattungen mit der Nordamerikanische Weißeiche, botanisch Quercus Alba, die schneller und gradliniger wächst als ihre europäischen Verwandten und ist dabei dichter im Holz ausgeprägt. Dieses Holz überträgt Aromen an das Destillat mit Vanille, Karamell, Kokos und Honig und eignet sich für eine Langzeitlagerung der Destillate. Die Schotte und Iren nehmen gerne die Fässer wenn schon einmal American Whiskey darin lagert. Und dazu zählen sicherlich auch die Rum Produzenten, die ebenfalls für die Grundreifung Ex-Bourbon oder Ex-Tennessee Eichenfässern kaufen. Und dann gibt es noch die europäischen Vertreter namens Quercus Robur oder Petrea, ein Sammelbegriff für die europäischen Eichenvertreter, die in Galizien oder Frankreich wachsen. In ihnen reifen oft südländische, verspritete Süßweise wie Sherry, Port, Madeira oder tatsächlich reiner Wein. Diese Vertreter geben dem Spirit meist kräftige Trockenfrucht Aromen mit auf den Weg mit Rosinen oder gar eine ganze Palette mit Geschmack nach Obstkuchen und einer reichhaltigen Süße. Der dritte im Bunde ist die asiatische Eichengattung Qercus Mongolica oder Mizunara auf die wir hier nicht näher eingehen möchten.

Teil 3 – Die Interaktive Reifung

Mit zunehmender Reifezeit, oder anders ausgedrückt in den letzten Jahren der geplanten Reifungsperiode, verbindet sich der schon erreichte Status an Geschmack im Destillat immer mehr zum gewünschten Brennerei-Charakter. Der andauernde Einfluss der Eiche nimmt spürbar zu und der Charakter der Destillerie arbeiten sich immer mehr heraus. Während dieser letzten Zeitspanne gilt es für die Warehouse Manager in den großen Lagerhäusern ein Augenmerk auf jedes einzelne Fässer zu legen um keine Überreifung zu erhalten. Denn genau das ist die letzte Phase vor der Abfüllung in der die Interaktive Reifung ihren komplexen Dienst tut.

Mit einem Ansteigen der Umgebungstemperatur dehnt sich folglich auch die alkoholische Flüssigkeit aus und komprimiert dabei den Luftanteil im Fass weiter. Steigt der Druck noch weiter über ein gewisses Maß beginnt die Luft nach aussen über die Poren im Holz in die Umgebung zu entweichen. Im Umkehrschluss wird Luft bei sinkenden Temperaturen durch das Verringern des Flüssigkeitsvolumen wieder in das Fass durch die feinen Poren eingesaugt. Dabei spielt der Anteil des Sauerstoff in der Luft für das Destillat die tragende Rolle, die durch ihre „Agressivität“ die Reifung der Distillate antreibt und fördert. Der natürlich auftretende Vorgang befindet sich im Gleichgewicht und bringt sowohl Esterverbindungen, Säuren und Aledhyde hervor. Dadurch erreicht das Destillat im Laufe der Reifezeit eine deutliche Zunahme an Komplexität und Balance, während es zusätzlich Fruchtanteile über die Esterverbindungen verpasst bekommt.

Auch der Verlust von Alkohol und Wasser aus dem jeweiligen Fass hilft und beschleunigt beim Reifeprozess. Dabei wird der Verlust von Schwefelverbindungen, die sich noch im Brand befinden, gerne in Kauf genommen. Reifung zieht immer eine gewisse Verlustrate an Flüssigkeit nach sich, die sehr stark abhängig ist von der Klimazone, den vorherrschenden Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit, um nur einige wenige Faktoren zu benennen. Der jährlich angegebene Verlust liegt in Schottland oder Irland bei etwa 1 bis 2%.

„Reifung von Spirituosen ist Mystik und Wissen zugleich.“

Oder wer denkt schon an die Lagerposition eines Fasses in einem Warehouse. Weiter oben gelagerte Fässer sind in einer wärmeren Zone und die Fässer verlieren durch die wärmere Umgebung deutlich mehr Wasser aus der alkholischen Flüssigkeit und der Alkoholgehalt kann dabei u.U. deutlich steigen. Während weiter unten lagernde Fässern langsamer und ausgeglichener reifen. Also insgesamt viele Einflussfaktoren die es als Produzent zu beachten gilt.

Sequenzielle Mehrfachbelegung oder Finishing

Vielleicht sind ihnen die Begrifflichkeiten Double Wood, Double Maturation, Triple Wood oder Finishing schon einmal unter gekommen. Dies ist der Prozess während der Reifungsphase des bestimmten Destillat mehrere unterschiedliche Faßvarianten und- typen sequentiell zu nutzen. Damit kann man bewußt bestimmte Kombinationen an Geschmacksfelder für das Produkt besetzen. Im ersten Teil einer Gesamtreifung wird das frisch erzeugte Destillat in ein Eichenfass eingebracht, in dem es eine lange Lagerzeit für die Grundreifung verbringt. Dies sind i.d.R. Neue in denen zuvor Bourbon oder Tennessee Whisk(e)y lagerte oder First-fill Fässer die schon einmalig etwas anderes darin reifen ließen. Im Anschluss wird die schon gut gereifte Spirituose in weitere geplante Fassarten umgelagert, um für einen weiteren jedoch meist kürzeren Zeitraum zusätzlich Aromen aufzunehmen um das Geschmacksspektrum bewusst zu erweitern. Der Prozess der Double Maturation wurde während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begonnen, um die Aromaprofile der Destillate nochmals insgesamt zu auszuweiten. Vorreiter-Beispiele hierfür sind die Distiller´s Editions aus der Classic Malts Serie von Schottland, der Balvenie Double Wood, der Auchentoshan Three Wood oder der Laphroaig Triple Wood.

Andere Whisky Brennereien gehen noch einen Schritt weiter und unterziehen ihre Premium-Produkte eine wahre Sequenz von vielen unterschiedlichen Eichenfässern mit vorheriger Belegung von Wein- und Spirituosenvarianten in einer bestimmte Reihenfolge. Ein Beispiel ist die Northern Highland Malt Whisky Destillerie Dalmore, die ihren King Alexander III in nicht weniger als sechs Fassvarianten in einem getakteten Zeitablauf umfüllt.

Dalmore Brennerei 7 Schwaben vor dem Truck mit Fässern
Dalmore Brennerei 7 Schwaben vor dem Truck mit Fässern

 

Dies sind

  • spanische Matusalem Oloroso-Sherry Fässer
  • portugiesische Port-Pipes
  • italienische Marsala-Fässer
  • portugiesische Madeira-Fässer
  • Cabernet Savignon Barriques
  • Amerikanische Weißeiche als Ex-Bourbon Barrels

Dies gibt dem Dalmore Noten von roten Beerenfrüchten, ein frischer und floraler Blumenstrauss und Passionsfrüchte mit auf den Weg. Dazu kommen Zitruszesten und füllige Noten von Vanille und Creme Caramel sowie süßer Zimt und Muskatnuss.

Bewusste Auswahl und Selektion von Fässern

Ist schließlich das gewünschte Geschmackserlebnis nach vielen Jahren in den Fässern erreicht, werden Geschmacksproben an die Blending Departments gesendet, um zu bestimmen was aus diesem Faßinhalt werden soll. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten

  • Der Inhalt des Fasses wird in einer Mischung aus gereiften Malt- und Grain-Produkten zu einem Blended Whisky, was auch den höchsten Anteil an Reifungen betrifft.
  • Der Fassinhalt wird zu einem Malt oder Single Malt Whisky weiter verarbeitet.
  • Oder es kann auch eine Einzelfass-Variante ergeben wenn der Inhalt der gewünschten Hochwertigkeit und Charakterstärke der Brennerei entspricht.

Der Einfluss von Fässern auf Farbe und Geschmack

Wie wirken sich die im Holz schon eingelagerten Aromen des Bourbon, Tennessee Whiskey, Wein oder Sherry auf die neue Belegung mit Scotch, Irish oder auch deutschem Whisky aus. Jedes Fass ist für sich gesehen ein Unikat und doch gibt es Schemen die ein bestimmte Alkoholgattung auf die neue Spirituose überträgt. Hierzu haben wir eine Tabelle entwickelt, die sowohl die Herkunft, den vorheriger Inhalt, die Einflüsse auf den Geschmack und die Farbgebung beschreibt:

HerkunftVorheriger InhaltGattungEinflüsse auf das Aroma / GeschmackFarbeinflussFarbe
Whisky / Whiskey
USABourbon / TennesseeSpirituoseVanille, Süße, Karamell, cremig, Eiche GoldFarbskala - Goldvarianten
 Rum / Rhum / Ron
 Weltweit Rum (hell) SpirituoseMelasse, Süße, Vanille, Mandeln, tropische Früchteblasses GoldFarbskala - blasses Gold
 Weltweit Rum (dunkel) SpirituoseSüß, dunkle Früchte, Syrup, Karamell, Vanille, EicheBernstein Farbskala - Bernstein
Likörwein
 Italien Marsala Likörwein würzig, süß Mahagony Farbskala - Mahagony
PortugalMadeira Likörweinwürzig, Frucht (leicht), Süße, trocken Mahagony
PortugalPort (süß)  LikörweinSüße, Frucht (trocken), würzig
 PortugalPort (Tawny)   Likörweinsehr fruchtig, dunkle BeerenGelbbraun bis RotbraunFarbskala - gelbraun bis rotbraun
SpanienSherry (Fino)    Likörweinleicht, Frucht, Süße, trocken blasses GoldFarbskala - blasses Gold
SpanienSherry (Amontillado)    Likörweinzart, pikant, trocken, Süße, nussigBernsteinFarbskala - Bernstein
SpanienSherry (Manzanilla)Likörweinmaritim, salzig, trocken, frisch, Frucht (leicht) blasses GoldFarbskala - blasses Gold
SpanienSherry ( Palo cortado)LikörweinReichhaltig, nussig, Mandeln, trockenMahagony, Henna Farbskala - Mahagony und Henna
SpanienSherry (Oloroso)Likörweinnussig, Früchte (trocken)Marone, Oloroso-SherryFarbskala - Marone und Oloroso-Sherry
SpanienSherry (PX)Likörweinsehr Süß, Früchte (dunkel), Rosinen, SyrupBernsteinFarbskala - Bernstein
 Wein
 FrankreichBordeaux RotweinKräftig, Früchte, Trauben, BeerenMahagony, Henna, alte Eiche Farbskala - Mahagony Henna bis dunkle Eiche
 FrankreichBurgunder RotweinFrüchte, Süße, trockenRotbraunFarbskala - rotbrain
 FrankreichChardonnay WeißweinNussig, Säure, Tropische Früchteblasses GoldFarbskala - blasses Gold
 Frankreich Sauternes SüßweinSüß, Aprikosen, Honig, Pfirsiche, nussigblasses Gold, BernsteinFarbskala - Blasses Gold bis Bernstein
 ItalienAmaroneRotweintrocken, reife Früchte, TrockenfrüchteRotbraun Farbskala - rotbrain
 Italien Barolo RotweinFrüchte, Trockenfrüchte, schwere AromenRotbraunFarbskala - rotbrain
Ungarn / SlowakeiTokajer Weißweinfrische Frucht, sehr Süßblasses Gold, BernsteinFarbskala - Blasses Gold bis Bernstein
MuskatellerSüß, floral, Zitrusfrüchte, Pfirsich Bernstein Farbskala - Bernstein

Farbtabelle

Fortlaufende Farbskala von reifenden Spirituosen
Fortlaufende Farbskala von reifenden Spirituosen

 

Puristen, Traditionalisten und weltoffene Anschauungen

Beim Thema Reifung von Spirituosen scheiden sich auch die Geister der Konsumenten. Früher war einmal könnte man sagen, denn viele Jahrzehnte lang gab es nichts anderes als die Reifung in Ex-Bourbon Fässern und der Geschmack mit Vanille, Karamell und Kokos war mehr oder minder vorgegeben. Puristen und traditionsbewußte Whisky-Genießer müssen sich ausser den bisher bekannten Eichenfässern auf viele neue Geschmacksrichtungen und Finishings einstellen. Die Whisky-Welt hat sich nämlich in Sachen Fässern, Geschmacksrichtungen über die Jahrtausendwende unglaublich erweitert. Zu den bisher bekannten Bourbon, Sherry, Madera kommen besondere Weinaromen von Amarone, Chianti, Sauternes, Reifungen in IPA-Bierfässern oder sogar Cider-Geschmacksnoten.

Wie sie schon in diesem Bericht lesen konnten ist Reifung in Eichenfässern der Schlüssel für die unglaubliche Aromenvielfalt zum Thema Whisky. Und was soll man sagen – die Welt wird noch besser.