Deutscher Whisky – Eine chronologisch und geschichtliche Spirituosenreise

Prolog

 

Deutschland besitzt eine lange Tradition bei Frucht- und Kornbränden wie auch weiteren Destillaten. Dabei gibt es klare Unterscheidungen über den Trinkgenuss im hohen Norden oder im wilden Süden. Während die Nordlichter eher die Kornbrände suchen sind es im Süden eher die Fruchtdestillate.

Dabei können wir Deutschen uns mit unserem allgemeinen Erfindergeist diesmal nicht in Sachen Destillation als große Innovatoren in die Geschichtsbücher schreiben. Selbst die Iren und Schotten können sich diesen inzwischen geschichtlich untermauerten Chroniken nicht entziehen, die Begründer der lat. spiritus „Geist“ gewesen zu sein.

Es war ein frühes Verfahren der Destillation das schon die Ägypter und die griechische Antike kannte. Mit sogenannten Alambics wurden ätherische Öle aus Pflanzen und Früchten hergestellt und in offenen Kesseln unter Mithilfe von Wolle aufgefangen, daraus ausgepresse und damit als Flüssigkeit konzentriert.

Die arbischen Gelehrten verfeinerten dieses Verfahren nochmals deutlich im 9. oder 10. Jahrhundert. Es war die Erfingung des Alambic, indem der offenen Kessel einen helmartigen Deckel versetzt bekam und damit nahezu geschlossen wurde. Die nach dem Erhitzen und bei der Destillation aufsteigenden Dämpfe, der vapourisierende Anteil, wurde über eine innere Auffangrinne gesammelt und rückkondensiert.

Über Gelehrte und deren Schriften wie auch der geistliche Austausch und Wanderprediger zwischen Klöstern in den Ländern Zentraleuropas wie auch Irland und Schottlands gelagte das Wissen auch bald in die Mitte und den Norden Europas.

Alle zusammen machten sich dennoch unabhängig voneinander daran aus medizinischem Zwecke oder für den Genuss Brände aus Früchten, Wurzeln oder Korn aufzubreiten. Dabei waren die Iren und Schotten schnell dabei gebranntes Bier aus gemälzter Gerste in Spirituosen unzuwandeln während die Feingeistlichen auf dem kontinentalen Festland eher den fruchtigen und feingliedrigeren Varianten aus Weintrauben zuträglich waren.

Wenn wir es so herauspicken ist wohl auch die Geschichte der Deutschen, Iren und Schotten warum in Deutschland eher die Feinbrände aus Frucht entstanden und weniger die Kornvarianten während die Inselbewöhner eher die rauhere und ehrliche Varianten des „usigea beatha“, dem Lebenswasser, zuträglich waren.

Aber der Zeitgeist hat auch Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert eingeholt, nachdem der süßere und vanillige Bourbon nach dem letzten Weltkrieg durch die US-Amerikaner im Land der Dichter und Denker stark verbreitet wurde und ab den 1970er Jahren langsam aber sicher Leben in Sachen Irish und Scotch in die deutschen Gläser kam.

Die Zeit war damit wohl reif geworden eigene deutsche innovative Wege auf traditioneller Basis zu gehen. Der Deutsche Whisky wird endgültig mit viel Wissen, Antriebskraft und Innovation unzähliger Brennerei auf den Weg gebracht …

Wie hatte der Spiegel schon einmal in einem Bericht über die Blaue Maus Whisky-Destillerie im Jahr 2013 geschrieben:

Whisky ist ja nicht unbedingt das deutscheste aller Getränke. Bis in die Achtziger hinein galt er als Branntwein-Alternative, die im Agentenfilm on the rocks auf Eiswürfel gekippt wurde. Meist im Anschluss an die lässig servierte Frage: „Cola?“

Also gehen sie mit uns zusammen auf eine geschichtlich und chronologisch aufbereitete Reise in Sachen Deutscher Whisky. Und die Reise wird wohl nicht enden, denn es steht so viel Potential sowohl in dieser Spirituosengattung wie auch dem Tatendrang der deutschen Brenner.


Deutscher Whisky im 20. Jahrhundert

 

Zu Beginn des neuen Jahrhundert war so gut wie nichts in Sachen Whisky am deutschen Horizont zu sehen. Während in Schottland die erste große Krise mit dem Pattison Crash die Welt erschütterte brannten die Deutschen hauptsächlich Obst und Früchte. Vielleicht hatten einzelne auserwählte Hotels die Größe Internationalität in den Barregalen mit Bourbon, Rye, Irish oder Scotch zu präsentieren, viele werden es wohl nicht gewesen sein.

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wachten die Deutschen langsam auf eine Identität mit dem Neuanfang in Sachen Whisky zu finden. Während in den USA schon vor der Prohibition zwischen 1920 bis 1933 die großen Blended Whiskys der Schotten mit dem Chivas Regal oder Dewar´s Fuß fassten herrschte in Deutschland andere Gesetze. Deutschland war gefühlt schon immer ein Biertrinkerland gewesen und der einfach Obstbrand oder Korn gehörte im Gedeck dazu.

Mit dem Ende des letzten Weltkrieg auf deutschem Boden ziehen die USA, England, Frankreich und Russland bei uns ein und teilen das Land in vier Sektoren auf. Ausser Freiheit und hauptsächlich Sicherheit bringen die Siegermächte auch ihre Welt der Speisen und Getränke mit nach Deutschland.

Anfang der 1980er Jahre entstehen vielleicht eher durch Zufall im fränkischen Bayern die ersten bewussten Gerstenmaischen die zu Hochprozentigem destilliert werden und danach in Fässern zu Whisky heran reifen.

Ende des Jahrhunderts geht es dann Schlag auf Schlag. Wie die Pilze wachsen die Whiskybrenner aus der Asche und formieren sich zu einem starken Medium in Sachen gereiften Gerstenbränden. Allen voran Lantenhammer im südlichen Bayern, die 1999 schon ihren ersten Whisky auf den Obstbrennblasen destillieren und in Eichenfässern zur mehrjährigen Reifung geben.


Das Jahr 1945 – Amerika, England und Co. sind im Land

Der schreckliche 2. Weltkrieg geht auf unserem Kontinent Anfang Mai endlich zu Ende und damit ziehen auch für die nächsten Jahrzehnte die Allierten unter der Führung der US-Amerikaner im Lande ein.

Dennoch muss man nochmals betonen, Whisky war bis zu diesem geschichtlichen Moment in Deutschland weitestgehend unbekannt. Durch die Stationierung und Aufteilung des deutschen Hoheitsgebiet in vier Zonen kommt auch neues Gedankengut ins Land. Dabei wird der Whisk(e)y, allen voran der amerikanische Bourbon und der Scotch zum Zeichen von Freiheit und Demokratie im Land. Alles wird nochmals unterstützt durch die neuen Kinohelden auf den Leinwänden, die meist mit ihrem männlichen Erscheinungsbild und manch rauher Stimme ein Bild von Weltoffenheit und neuen Ideen und Träumen formt.


Das Jahr 1958 – Der Rote Fuchs erscheint

Am deutschen Markt erscheint der „Red Fox“, ein Whisky der hauptsächlich aus importierten schottischen Malt Whiskys besteht dem deutsche Kornbrände beigemischt werden. Der Red Fox hat eine ausgeprägte rauchige Note und eine mehrjährige Reifung, zumindest bei den Scotch Produkten. Der Name Red Fox erregt größere Aufmerksamkeit bei den Schotten, speziell bei der Scotch Whisky Association (SWA), einer inländischen Handelsorganisation die die Interessen der schottischen Erzeuger vertritt und im In- wie auch im Ausland durchsetzt.

Konsequenz aus den gerichtlichen Streitigkeiten ist die Umbennung des Red Fox in Racke Rauchzart.

Der Name geht zurück auf den Markengründer Harro Moller-Racke von der Binger Wein- und Spirituosenhandelsfirma Adam Racke GmbH & Co. KG. Die Rackes. Im Vergleich zum den als exklusiv und teuer geltenden Scotch Produkten war der Racke für den Normalverbraucher preislich erschwinglich. Alleine im Jahr 1958 wurden 850.000 Flaschen dieser schottisch-deutschen Mischung an die Kundschaft verkauft. Schottischer Malt wurde mit heimischen Getreidebränden in der Abfüllanlagen in Rinteln zum Endprodukt verschnitten.

Die deutsche Marke Racke Rauchzart zählt auch heute noch im 21. Jahrhundert zu den vielverkauften deutschen Whiskys nach Johnnie Walker, Jack Daniels, Ballentine´s oder Jim Beam.


Das Jahr 1961 – Der Red Fox wird zum Racke Rauchzart Whisky

Eingeführt wurde er 1958 als „Red Fox“ Whisky bis er auf Druck der SWA in Racke Rauchzart durch den deutschen Anbieter Adam Racke GmbH & Co. KGumbenannt wird.

Die Schotten argumentierten in ihrer Klage, der englische Name „Rod Fox“ stelle einen Bezug zur schottischen Herkunft her. Dabei wurde das deutsche Produkt mit englischem Namen weder auf etwas bestimmtes im Namen angelegt noch wurde es nach schottischer Produktionsweise hergestellt. Der Druck aus Schottland wurde für Adam Racke dennoch zu groß und die Deutschen änderten daraufhin im Jahr 1961 den Namen in Racke Rauchzart. Dennoch verblieb der rote Fuchs als Markenemblem auf dem Flaschenetikett.


Das Jahr 1980 – Die Brennerei von Robert Fleischmann

In diesem Jahr wurde die Brennerei von Robert Fleischmann im fränkischen Eggolsheim in Betrieb genommen. Fleischmann hatte mit einem Jahreskontingent von 300 Litern Alkohol Obst und mehlige Stoffe zu Spirituosen zu verarbeiten. Dazu wurde am 11. März 1980 eine Getreidemaische angesetzt die vier Tage später durch Robert Fleischmann unter der Anweisung des Zollbeamten Walter Schaub destilliert wurde. Es waren wegweisende Momente für den Jungbrenner da es auch die Jungferndestillation nach seiner Aussage war. Straub philosophierte über ein gutes Destillat, und was dafür auch noch heute gültig wäre:

Guter Rohstoff und sich beim Destillieren Zeit lassen – Mann muss den Schnaps herausbeten –  denn je langsammer- und gleichmäßiger der Mittellauf behandelt wird, um so feiner wird das Endrodukt.


Das Jahr 1982 – Der erste deutsche Whisky

Wie Robert Fleischmann aus dem fränkischen Eggolsheim selbst auf seiner Homepage schreibt:

Am 03.10.1982 war der für uns zuständige Zollbeamte Walter Schaub für einen Brennerei- Kontrollbesuch im Haus. Bei der Gelgenheit machte mir mein Lehrer, der von der Alkoholherstellung mit Sicherheit mehr verstand als ich, in seiner korrekten Art, aber so bestimmend, dass man sicher ist es machen zu müssen, den Hinweis, doch mal Malz einzumaischen und zu destillieren. Jahre später, lange schon in Pension, erfuhr ich von Ihm, dass er Ausbilder am Zollamt war. Das erklärte auch die Dienstbesuche mit jungen Mitarbeitern, dennen er die Alkoholherstellung nahe legte. Auch ich war dankbar für jede Beratung.

Seiner Ansicht nach war wohl der damalige Zollbeamte ein wichtiger Urheber der Deutschen Whiskybrenner Welt, die auch im Gefolge Österreich und die Schweiz (die Schweiz erst ab 1999 nachdem ein wichtiges Gesetz aufgehoben wurde) mit sich zogen.


Das Jahr 1999 – Der erste Slyrs wird gebrannt

In der Lantenhammer Brennerei am Schliersee wird der erste Slyrs „New make“ gebrannt der in Eichenfässern gereift nach 3 Jahren zum Slyrs Bavarian Single Malt Whisky wird. Dies war eine große Wegmarke in Sachen Deutscher Whisky der durch den beiden Destillateure von Lantenhammer, Hans Kemenater und Tobais Maier, zum Produkt wurde.


Deutscher Whisky im 21. Jahrhundert

Die ersten wirklichen Sporen haben sich die deutschen Brenner längst im abgelaufenen Jahrhundert verdient. Dennoch verstehen viele deutsche Whiskybrenner langsam, der einzigartige Geschmack von Whisky benötigt Zeit, viel Zeit um die Aromen aus der Fassreifung zu ziehen und diesen einzigartig voluminös-fülligen Geschmack zu erzeugen.

Es entstehen neue Whisky Brennereien im ganzen Land und in der Zwischenzeit reifen tausende von Eichenfässern aus den USA, Südeuropa, Schottland und Irland in den Lagerhäusern der einzelnen Brenner. Der wichtige Faßtourismus hat auch nach Deutschland begonnen.


Das Jahr 2002 – Der erste 3-jährige Slyrs

Spätestens jetzt beginnt der wirkliche deutsche Whisky-Boom mit dem Verkauf des Slyrs 3 Jahre Bavarian Single Malt Whisky. Alleine die Aufmerksamkeit mit der gewonnenen Aufmerksamkeit mit dem ersten Slyrs am Markt weckt viele andere auf. Eine Aufbruchstimmung entsteht in Deutschland.


Das Jahr 2006 – Die neue Slyrs Whisky Brennerei

Die Zeit ist reif für eine eigene Slyrs Brennerei im Ortszeit Neuhaus am Schliersee. Während noch 1999 die ersten Kornbrände in den Obstbrennblasen von Lantenhammer entstanden, bekommt der Slyrs seine eigene Heimat im Jahr 2006. Das Malz über Buchenholz getrocknete Malz kommt von Weyermann aus Bayreuth und in den Kothe Brennblasen aus Baden-Württemberg fließt nun das Hochprozentige in der eigenen Slyrs Bavarian Malt Whisky Brennerei.


Das Jahr 2008 – Stonewood Whisky erhält Gold

Der Stonewood 1818 Grain Whisky aus der bayerischen Schraml Brennerei erhält bei den Worlds Spirits Awards eine Goldmedallie.

 

 


Das Jahr 2009 – Eröffnung der Whisky Destillerie Liebl

Die Brennerei Liebl aus Bad Kötzting führt Erweiterung des Betriebes mit neuen Hallen in der Pfingstreiterstr. 5 durch in der eine hochmoderne Verschlussbrennerei installiert wird. Hier werden auch die erste Tropfen des späteren Bad Kötztinger Single Malt Whisky gebrannt. Dieser wird im Mai 2009 endlich in die erste Flasche gefüllt.


Das Jahr 2011 – Der Rothaus Blackforest wird ausgezeichnet

Der Rothaus Single Malt Whisky wird aus Malz der beliebten und gleichnamigen Rothaus Brennerei im Schwarzwald gebrannt. Leider hat die Brauerei kein eigenes Brennrecht mehr und verlässt sich deshalb für die Destillation auf ihren Partner Kammer-Kirsch aus Karlsruhe. Damit gewinnt die Kammer-Kirsch Destillerie den Award Germany´s Best Whisky Destillerry 2011.


Das Jahr 2012 – finch startet in Nellingen

Auf der Schwäbischen Alb nahe der Autobahn A8 bei Merklingen startet die finch Whiskydestillerie. In den Nebengebäuden des Hotel Krone wird die größte deutsche Brennblase mit einem Fassungsvermögen von 3.500 Litern in Betrieb genommen.

 


Das Jahr 2012 – Forum deutscher Whisky

In der Birkenhof Brennerei im Westwald wird am 27. April das erste Treffen „Forum Deutscher Whisky“ abgehalten.

 

 


Das Jahr 2012 – Gründung des Deutschen Whiskyverband

In Bad Kötzting wird am 17. September der „Verband Deutscher Whiskybrenner“ (VDW) gegründet. Das Ziel ist die Förderung, die Pflege und der Schutz der deutschen Whiskykultur. Insgesamt schreiben sich 17 deutsche Whiskyerzeuger in das Gründungsdokument ein.

 


Das Jahr 2014 – Die Hillock Park Destillerie wird eröffnet

Die Destillerie & Brennerei Heinrich Habbel eröffnet die Hillock Park Destillerie in Sprockhövel.

 

 


 

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