Whisky Reise Irland 1.0 im Mai 2016 – Tag 3 – Der Süden Irlands

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Im Teil 2 der Reise besuchen wir West Cork und Midleton

Was bisher geschah!

Bei besten Wetter sind wir in Deutschland letzten Samstag gestartet und gleich mitten in die graue Suppe geflogen. Shannon und Westen Irlands hat uns mit viel Feuchtigkeit begrüßt und gleich mal einen Tag Wort gehalten.

Der Sonntag begann auf der Dingle-Halbinsel mit bewölktem Himmel bevor die Sonne zwischendurch etwas lachte. Über dem Mittag waren wir am westlichsten Punkt der Halbinsel mit dem Slea Head zu einer kleiner Wanderung um am Nachmittag einen großen Auftritt in der Dingle Distillery zu haben.

Am späten Nachmittag haben wir uns Richtung Kerry bewegt und sind abends immer weiter Richtung Süden in Glengarriff zum nächsten Zwischenstopp gelandet.

Montag, der 09. Mai 2016

Gleich morgens machen wir und von Glengarriff aus auf und rauschen weiter nach Süden. Uns treibt es in einen kleinen Ort Namens Skibbereen mit nicht mal ganz 2.500 Einwohnern. Und gleichzeitig kennt man diese Gemeinde auch als Hauptstadt von West-Cork. Und genau da wollen wir ihn auf einen Überraschungsbesuch bei den West Cork Distillers, kurz WCD.

Noch im 16. Jahrhundert waren die Region um Skibbereen großteils Eigentum des McCarthy-Clan. Und das ist bis heute so geblieben, denn auch heute noch ist der Nachname McCarthy Programm und der häufigste Name in der kleinen Stadt.

Ja, wir sind ja gut im organisieren, aber In dem Fall des Blitzbesuchs wussten wir wirklich nicht genau ob es ein Besucherzentrum gibt oder nicht. Heute geht man mehr oder weniger fast davon aus dass sich Besucher im Umfeld tummeln. Werden wir abgewiesen, egal aus welchem Grund, fahren wir gerade weiter auf eine Wanderung im Süden nach Baltimore oder zum Mizen Head. Zu tun gibts immer etwas unter Tags und wir haben auch immer einen Plan B in der Tasche. Organisation ist fast alles.

West Cork Distillery

Wir kommen im Industriegebiet bei schlechtem Wetter an und finden das West Cork Distillers Gebäude am Ende der löchrigen Strasse auf der linken Seite. An der kleinen Rezeption des schlichten Funktionsgebäudes wird nicht schlecht gestaunt als wir sagten „Guten Morgen, wir wären jetzt da und möchten die Brennerei besichtigen“. Hmmm, wir sollen mal kurz draussen warten sie möchte es kurz mit dem Chefs klären.

Whiskey Reise Irland 1.0 im Mai 2016 West Cork Bottling alleswhisky

Yes, grossen Lob an den Mitarbeiter, der kommt gleich zusammen mit dem Chef an die Tür. Er stellt sich als Mr. McCarthy vor und wir müssten eigentlich schon grinsen was wir natürlich nicht tun. Der Name ist Programm jetzt wissen wir wirklich das muss ein Nachfahre aus dem Clan der McCarthys sein. Wir stellen uns als alleswhisky.de Reisegruppe vor, Händler aus Deutschland die auch ihre Waren schon gelistet haben, und werden prompt herein gebeten. Hier im Betrieb ist es aus Reinheitsgründen Pflicht einen weißen Arbeitskittel zu tragen und ein süßes Häubchen aufzusetzen. Alles fluchs getan und Mr. McCarthys startet seine Vorstellungsrunde und just beginnt die ad-hoc Führung durch den Standort und die Fertigungsbereiche.

Whiskey Reise Irland 1.0 im Mai 2016 West Dork Distillery Pot Stills

Und schon gehts weiter in die Nähe von Cork, direkt in die Kleinstadt Midleton, genau dort wo das wahre Whiskey-Herz der Iren seit Ende der 1960er Jahre mit ganz großen Schlägen pocht.

Dromberg Stone Circle

Halt! Wir haben ja noch einen Zwischenstopp kultureller Art. Auf dem Weg liegt noch der Dromberg Stone Circle und den wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir fahren etwas zurückgesetzt von der Küste weiter durch den County Cork nach Osten. Es sind gerade einmal 15 Minuten Fahrzeit auf der gut ausgebauten N71 bis wir aufgefordert werden rechts abzubiegen. Die Strassen werden sofort schmaler und es geht an der Küste entlang nach Gladore und da stehen einige Häuser mit WOW-Effekt. Alle haben direkten Blick auf die einzigartige Bucht, die mit Segelbooten aufgewertet wird. Alleinig der einsetzende Platzregen macht die Sicht und das Vergnügen kurz auszusteigen fast nicht möglich. Also fahren wir weiter zum Steinkreis und stellen uns auf den Parkplatz. Grins, da steht auch schon ein Wagen mit zwei Touristen drin die darauf warten dass der Starkregen aufhört. Wir nutzen nach zehn Minuten den Moment der Trockenphase und laufen die wenigen hundert Meter zum Stone Circle.

Wie in England beim berühmten Stonehedge Kreis gibt es auch beim Dromberg ein Muster mit eindeutigen Linien die sich nach den Gestirnen und dem Sonnestand zu bestimmten Jahreszeiten richtet. Ausgewählte Steine weisen in einer Linie auf den nächsten Hügel in Richtung der Wintersonnenwende.

Old Midleton Distillery & Jameson Experience

Diese Gebäude waren der Anfang nachdem das Ende der irischen Whiskey-Wirtschaft Mitte der 1960er bitterlich nah war. Aber gleich mehr dazu in der kleinen irischen Whiskey-Geschichte, denn heute sind diese alten Gemäuer einer der wichtigsten Touristen-Magnete in Sachen Whisky und vieler Irland-Besucher.

Alles began im schon im Jahre 1825 als die James Murphy & Company den Betrieb mit der Herstellung von Spirituosen in diesen Gebäuden startete. In der Umgebung der Stadt Cork gab es Mitte des 19. Jahrhundert mehrere Brennereien die James Murphy in Midleton nach und nach unter ein Dach brachte und fusionieren ließ. Der erste wahre Zusammenschluss unter einem gemeinsamen Firmendach wurde im Jahr 1867 als Cork Distilleries Company, oder kurz CDC, geprägt. Damit hatte Cork die Kontrolle über die Brennereien über die North Mall, The Green, Watercourse und der Daly’s. Und 1868 kam die Midleton Distillery ebenfalls unter das Firmendach. Dieser Zusammenschluß hielt bis in das besagte Jahr 1966.

Die wichtig(st)e irische Whiskey-Geschichte

Und es waren eigentlich nur noch drei in der Republik Irland, die im Jahr 1966 über ihren Schatten springen mussten und sich zusammen raufen sollten. Die Lage war mehr als erst! Tullamore hatte schon von gut 10 Jahre die Fertigung geschlossen und viele weitere folgten. Es ging in diesen Jahren nicht mehr nur um das eigene Überleben als Whiskey-Marke, es war wie eine nationale Verpflichtung eine Lösung am runden Tisch zu finden um wenigstens als Marke künftig weiter zu überleben. Diese drei letzten irischen Mohikaner waren die

Die drei beschlossen unter ein gemeinsames Dach in Midleton zu gehen und eine neue Organisation zu gründen. Die Irish Distillers waren damit 1966 geboren und wurden als Marke in das irische Register eingetragen. Das designierte Board of Directors entschloß sich für den Standort Midleton und die Bau- und Umbauarbeiten begannen. Diese dauerten schließlich bis in das Jahr 1975 als die Produktion für alle bekannten Marken im Süden konzentriert anlief.

Die bestehenden Standorte in Dublin und Cork wurden in der Folge geschlossen. Somit entstand auf einen Schlag der größte irische Whiskey-Produzent. Ganz interessant dabei; auch die renommierte Old Bushmills Distillery aus Nordirland begab sich 1972 unter das gemeinsame Dach um Sicherheiten zu erhalten. Damit hatten die Irish Distillers die 100%ige Kontrolle über alle Produktionen in Irland und Nordirland, da es ausser diesen Vieren keinen einzigen Produzenten mehr auf der Insel gab. Aus heutiger Sicht wirkt das sehr seltsam und eingeengt, was man sich beileibe auch nicht mehr vorstellen kann.

Die folgenden Jahrzehnte vergingen wie im Flug, denn schon 1992 wurde dieser Teil der Brennerei wieder geschlossen und als Museum bzw. in die Jameson Experience umgewandelt. Damit fielen auch alle anderen Marken wegen „Geringfügigkeit“ unter den Tisch. Jameson ist das weltweite Zugpferd und die anderen Marken sind auch dabei.

Wohl lag es am internationalen Interesse großer Konzerne das mit einem Übernahmeversuch des Konsortium GrandMet, Allied-Lyons und Guinness begann. Im Jahr 1988 schaffte es dann der französische Spirituosengigant die Irish Distillers in einer sogenannten freundlichen Übernahme mehrzeitlich zu übernehmen und setzte sogleich die nächsten strategischen Pläne mit der Erweiterung um.

Die Tour durch die alten Gebäude der Jameson Experience war sehr aufschlußreich und bot schöne Einblicke wie früher gearbeitet wurde. Und zurück im Visitor Centre gibt „den“ Trend-Longdrink als Jameson Ginger mit Limette. Hatten wir so auch noch nicht genossen und empfanden dieses leicht alkoholische Getränk alle zusammen als lecker mit Daumen hoch.

 

New Midleton Distillery

Man sollte als Otto-Normalverbraucher von Whiskey und Durschnitts-Whiskeygeniesser nicht glauben wie viele irische Whiskey-Marken unter einem Dach in der New Midleton Distillery gebrannt werden. Egal ob Malt oder Grain, es sind nicht weniger als die folgenden Brands

  • Jameson
  • Tullamore Dew (wird seit September 2014 auch wieder in der Tullamore Distillery gebrannt)
  • Powers
  • Paddy
  • Redbreast
  • Midleton
  • Green Spot
  • Yellow Spot

Somit kann man auch hier feststellen „Es leben die großen Marken, ein hoch auf die großen Marken“ die alle aus einer Brennerei kommen. Wer braucht denn noch eine eigene Brennerei müsste man sich da fragen.

Ja beginnen wir mal mit ein paar Kennzahlen die uns David unser Tourguide während der ganzen Brennereiführung immer mal wieder flüstert. Warum heißt den die Jameson Experience eigentlich Jameson und nicht Powers oder wie auch immer. Die Antwort liegt wohl in der Wertigkeit der produzierten Einzelmarken. David meint „Nehmt doch mal das Jahr von Anfang Januar bis Ende Dezember, und dann stellt euch vor der Jameson wird vom Jahresbeginn bis Ende November gebrannt und im Dezember haben wir dann den Rest der Markenbande.“ Aha sagen wir, das war dann mal richtig plakativ dargestellt, das man sich auch gut merken kann.

Legen wir das mal gemeinsam in verständlichen Mengenangaben um! Im Jahr 2013 wurden weltweit 4,7 Mio. Cases vom Jameson international an den Mann und die Frau gebracht. Denn Cases ist das internationale Maß mit 12 Flaschen á 0,75 Liter Fassungsvermögen. Rechnen wir noch eine Stufe weiter sind das 56,4 Mio. einzelner Flaschen. WOW! Das sind doch mal Mengen in Adam Ries´es Zahlenkostüm berechnet.

Irish Whiskey Academy

Unser Ergeiz mit der Bitte um eine „Special Tour for an German Whiskey Merchant“ hat sich mal wieder ausgezahlt. Wir haben David fast den ganzen Nachmittag für uns und er nimmt uns mit in sein eigenes Refugium und eine Reise in die Irish Whiskey Academy der Irish Distillers von Pernod Ricard. Man muss nicht Trinken um zu Verstehen. Die nächsten zwei Stunden sind geprägt von einem unglaublichen Tiefgang über die Herstellung von Irish Whiskey, die verwendeten Grundzutaten, unterschiedlichen Produktionsmethoden und Destillationstechniken wie auch der Reifung und Lagerung des hochprozentigen Lebenswasser.

David versprüht mit seinem technischen Charme und gut verständlichen Englisch ein wunderbares Gefühl und reißt uns alle mit sich in die weiten Welten des Whiskey. Genau an dem Punkt wissen wir wieder warum wir diesen Job gerne machen und mit Leidenschaft machen.

Die Irish Whiskey Academy ist toll und anschaulich mit vielen Exponaten und Schautafeln aufgemacht. Damit schafft es Irish Distillers sicherlich dem Großteil ihrer Kunden bei einem Besuch der Academy das Thema deutlich und verständlich näher zu bringen.

Irische Whiskey Marken

Im Übrigen stellen wir uns während der Rundreise durch die Mitte und den Süden von Irland immer die gleichen Fragen – Wie viele Brennereien und Whiskey-Marken gibt es denn Stand 2016 in Irland? Na zumindest mal die oben genannten und noch einige weiter in alphabetischer Reihenfolge


Brennerei mit Whiskey-Marke(n)

  • Bushmills
  • Kilbeggan (sehr zweispältig das keine wahre Produktion mehr in Kilbeggan ist)
  • Teeling
  • Tullamore
  • Waterford (kaufbare Produkte werden frühestens 2019 erwartet)
  • West Cork

Reine Whiskey-Marken

  • Barr an Uisce
  • Clontarf
  • Connemara
  • Dunville´s
  • Glendalough
  • Hyde
  • Knappogue Castle
  • Roe & Co. (Brennerei soll in Dublin ab 2017gebaut werden)
  • St. Patricks
  • Tipperary
  • The Irish Man
  • The Pogues
  • The Quiet Man
  • The Temple Bar
  • Writers Tears

Dies ist eine Auflistung der meisten Destillerien und Marken und die derzeit arbeiten und als Abfüllungen verfügbar sind. Es soll und kann in diesem Blog-Reisebericht auch keine ganz vollständige Liste sein, dafür haben wir in unserem Blog und Shop die Suchfunktionen nach einzelnen Brennereien und deren Flaschenabfüllungen.

An der Auflistung erkennen Whisky & Whiskey Kenner dennoch auf einen Blick den großen Unterschied zwischen David & Goliath. Als David darf man gut und gerne Irland bezeichnen mit ihren vielleicht zehn Orten an denen das Lebenswasser entsteht. Dagegen steht Schottland mit weit über 100 Standorten und Erzeugern von Whisky. Wenn man die Zahlen aus dem Jahr 2016 noch in eine andere Relation bringt sieht man direkt die Größenunterschiede

Ardmore und der Round Tower

Wir haben für heute noch gut eineinhalb Stunden zur nächsten Unterkunft zu fahren und wollen auf halben Weg noch etwas Kultur mitnehmen. Garantiert und verwechselbar und schon von weitem sichtbar. Wir halten oberhalb der Ortschaft hinter der Friedhofsmauer und vertreten uns ein wenig die Beine. Wenn wir den Wetterbericht hören würden hieße es sicherlich „heute durchgehend Regen mit teilweise Starkregen“. Was solls, morgen wird alles sicherlich nochmals viel angenehmer.

Ardmore, übersetzt die „Großartige Anhöhe“ ist heute ein kleines und verschlafenes Fischerdörfchen mit vielleicht 330 Einwohner und Touristenort (sogar 2014 von Fáilte Ireland als einer der besten Touristenregion von Irland ausgezeichnet). Hmm… heute ist hier niemand zu sehen, alle Indoor oder schon beim Abendessen, denen ist wohl alle das Wetter im Moment zu schlecht um Outdoor zu sein.

Im Vorfeld der Reise hatten wir in verschiedene Quellen gelesen dass dieser Ort die wohl älteste christliche Ansiedlung auf der gesamten Insel sein soll. Schon weit von St. Patrick soll St. Declan zwischen den Jahren 350 und 450 nach Christus hier gepredigt haben.

Der Rundturm von Ardmore im County Waterford, einer der am besten erhaltenen auf den ganzen Britischen Inseln, weißt eine Höhe von fast 30 Metern aus. Bemerkenswert steht er da mit einem Durchmesser von gut 5 Metern am Boden und einer gleichmäßigen Verjüngung nach oben bis an den ausgebildete Spitze. Die inneren Qualitäten können wir leider nicht begutachten, aber er sollen insgesamt 5 Etagen sein.

Was genau jetzt für uns und zu Irland passen könnte und dem Wetter sicherlich egal ist; ein Wee-Dram für die Mannschaft unter der großen VW-Bus Heckklappe. Wir hatten in Midleton eine Flasche Jameson Caskmates mitgenommen und gönnen uns einen kleinen Schlick davon. Die Laune ist gut und es entwickeln sich schon wieder lockere Gespräche über den beeindruckenden Besuch in der Mega-Brennerei und der Jameson Experience.

Dungarvan

In der schönen Küstenstadt Dungarvan nehmen noch zu später Stunde unser Nachtessen ein im Mooring´s Restaurant ein und danach geht ist für heute auch mal genug. Das heute Erlebte muss man auch mal für sich selbst noch ein wenig verdauen. Good night!

 

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Hier klicken: Whisky Reise Irland 1.0 im Mai 2016 – Tag 4 – Der Südosten Irlands

 

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