Whisky Reise Irland 2.0 im Mai 2017 – Tag 9 bis 11 – Finale

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Im letzten Teil der Reise geht es von Belfast in mehreren Stationen nach Dublin

Was bisher auf der Reise geschah!

„Belfast is great“ nehmen wir nach einem beeindruckenden Tag durch die Hauptstadt von Nordirland mit ins Gepäck und auf Richtung Süden nach Dublin.

Wir waren bei Tullamore und Kilbeggan in der Mitte der Insel. Wir sahen neue Destillerien mit Connacht im Westen. Was sind schon die Cliffs of Moher, wenn man einmal im West auf den den tatsächlich höchsten Klippen von Irland gestanden ist. Und wir waren am nördlichsten Punkt von Irland, dem Malin Head. Oh Wunder, eigentlich hatten wir bisher noch blauen und strahlenden Himmel dass wir selbst in Irland ordentlich Farbe im Gesicht angenommen haben.

Die Kurzreise durch Nordirland hat mehr als nur beeindruckt und wir haben ein neues und tolles Bild von diesem Land gewonnen. Eine exkulsive Bushmills Tour mit Wow-Tasting, das Northwest 200, Geschichte in Derry und Belfast …

Und noch befinden sich noch einige sehr interessante Stationen während der langsam auslaufenden Woche über die wir uns noch freuen dürfen.

Freitag, der 12. Mai 2017

Das ausgedehntes Frühstück im Gregory bringt uns wieder auf Fahrt, da der gestrige Tag durch die Hauptstadt schon einiges an Kraft gekostet hatte. Es war lang und sehr intensiv an Informationen, die wir gerne in uns aufgesogen hatten. Vielleicht waren da auch die zwei bis sieben Guinness dazwischen, die am Ende noch den Ton heute morgen angeben wollen. However, „Live is great“ und das Feiern haben sicherlich auch die Iren mit erfunden, das sollte man sich merken und nicht entgehen lassen. In jedem Fall ist die Welt grün und in 10 Monaten ist wieder St. Patricks Day – great!

Es geht heraus aus der Hauptstadt Richtung Osten auf die Ards Peninsula. Das Navigationssystem unseres Mietwagens spackt schon wieder fürchterlich und verliert ständig die Kontrolle über sich selbst. Wir meinen das muss jetzt aber wirklich mit den Amis zu tun haben. Vielleicht ist heute genau der Tag an dem Trump das GPS abschalten ließ um dass Thema Nordkorea abzuarbeiten. Im Nachhinein stellt sich heraus, nur unser GPS-System im Allgemeinen spinnt, und der Rest unser Gedanken und reiner Blodsinn. Zum Glück gibt es ja Google Maps und damit auch einen Navigator der uns partiell zum Ziel weiterhilft. Mit zwei unterschiedlichen Handys schaffen wir es schließlich verspätet aus der Stadt heraus zu kommen. Es ist Rush-hour und die Strassen auf dem Ring sind übervoll von arbeitswütigen Belfastern. Ziemlich genau um 10 am rollen wir auf ein großes und weitläufiges Privatanwesen zu auf dem auch die Echlinville Distillery seit 2013 ihre Dienste tut.

Echlinville Distillery

Die in Privathand befindliche Brennerei ist wohl für die meisten Whiskeyfrende noch unbekannt, sie ist auch verhältnismäßig jung. Die ersten Brände liegen bereits in den Fässern und werden zu Whiskey und dazu besitzt der Eigner aus Irland solch bekannte Markennamen wie den Dunville Whiskey.

Ansonsten mussten auch wir uns mit unserem Fachverstand in deren Eigenmarken hineindenken, die jetzt erst zögerlich an den Markt kommen. Dennoch war es uns wichtig gleich vom Start weg den Kontakt zur The Echlinville Distillery zu suchen um das Portfolio kennenzulernen und zu verstehen sowie die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten.

Man muss sich das mal vorstellen, Echlinville war die erste Destillerie in Nordirland die nach über 125 Jahren wieder im eigenen Land lizenziert wurde. Es war das Jahr 2013 und gehört von der Zeitfolge genau in die allgemeine Aufbruchstimmung auf der Grünen Insel mit Neugründungen und Wiedereröffnungen.

Ansonsten hat der Eigentümer auch ein wenig schräge Hobbys mit einer Sammlung von Militärfahrzeugen wie dieser alte Kampfpanzer aus russischer Produktion. Anscheinend verbirgt sich von diesen Eisenhaufen noch mehr in einer alten Lagerhalle was uns nun aber nicht weiter interessiert. In jedem Fall sollen die Fahrzeuge fahrtüchtig sein und manchmal brummen die Motoren während 100 Meter weiter die Destillate in den Brennblasen entstehen.

Ja, böses böses Ührchen, die Zeit verrennt wie im Flug und wir haben schon 12 Uhr mittags, eigentlich Zeit zum Mittagessen. Wenn wir uns genau entsinnen waren wir diese Woche nur einmal Mittags lunchen. Ansonsten hat es immer genügt ein vollständiges irisches Frühstück mit Früchten, Cerialien und auch Full Irish einzunehmen. Und genauso wird es auch heute sein, denn wir freuen uns über das Highlight heute nachmittag in Dundalk.

Die Überfahrt ist geschätzt 15 Minuten lang auf die Südseite und spart locker mal zusätzliche 45 Minuten bei unserer Reiseroute zurück in die Republik. Und kaum auf der Fähre sieht man schon die ersten Sonnenstrahlen aus den Wolken durchscheinen.

Great Northern Distillery

Die Stadt Dundalk ist unser nächstes Ziel für den frühen Nachmittag und darauf sind wir mehr als gespannt. Das soll das Highlight für diese Woche werden, und wir werden beileibe nicht enttäuscht werden.

Alleine die uns bisher vorliegenden Kenndaten weisen auf etwas Großes hin und wir freuen uns riesig dass dieser letzte Brennerei Besuch für die Woche kurz bevor steht. Es hat auch eine ganze Weile gedauert um diesen besonderen Termin eingetütet zu bekommen um damit die komplette Brennerei mit allen Fertigungsbereichen der Malt- und Grain-Produktion detailliert einsehen zu können.

Schaut man mal hinter den Vorhang der irischen Whiskeywirtschaft sind es wieder einmal die gleichen großen Namen bei dieser Brennerei wie schon vor über 30 Jahren. Schon Ende der 1980er Jahre bewegten ein paar Männer Großes in Sachen Whiskey für Irland selbst und brachten die Bude wieder langsam in Sachen Irish Whiskey Schwung.  Ein gewisser Dr. John Teeling und auch John Haynes leißen die alte und staatliche Kartoffelbrennerei Cooley´s in eine reinrassige und private Whiskey Destillerie umbauen. Diese betrieben sie schließlich sehr erfolgreich nach einigen holprigen Anfangsjahren schufen damit eine Institution viel Potenzial und sogar einigen neue Marken.

Nun über ein Vierteljahrhundert später gehen sie das nächste große Thema wieder im großen Stile an, nachdem sie Cooley´s im Dezember 2011 an Beam Inc. (Jim Beam) für 95 Mio. US-$ verkauft hatten. Denn es wurde entschieden einfach ein paar Kilomenter weiter im Westen eine traditionsreiche und stillgelegte Brauerei zu kaufen. Es handelt sich um die Harp Brauerei die just ihren Dienst auf Geheiss des Eigentümers eingestellt hatte. Aber warum eine Brauerei?

Aber mal ein paar Takte zur Geschichte dieses traditionsreichen Standort in Dundalk. Die Brauerei wurde bereits im Jahr 1846 gegründet. Sie galt lange Zeit als der zweitgrößte Produktionsstandort für Biere in Irland, selbstredend hinter Guinness am St. James Gate von Dublin. In den späten 1950er Jahren entschied dann genau der Eigentümer Guinness für Dundalk das Harp Lager Bier einzuführen und dort zu brauen. Harp sollte den Zeitgeist des kontinentaleuropäischen Geschmack treffen. Im Jahr 1960 war es dann soweit und das neue Harp Bier wurde erstmals in der modernisierten Fertigungsstätte gebraut und auf Flaschen abgefüllt. Das Ganze erfolgte auch unter den wachsamen Augen des speziell dafür gewonnen deutschen Fachmann Herman Muender. Im Jahr 1961 bildete sich daraus ein Konsortium von Brauereien heraus mit Courage, Barclay & Simonds, Scottish & Newcastle, Bass, Mitchells & Butlers and Guinness, die als Harp Lager Ltd. agierten.

Strategische Entscheidungen müssen es dann wohl einige Jahrzehnte später gewesen sein, als der Eigner Diageo am 9. Mai 2008 den Ausstieg in die nächsten fünf Jahren in Dundalk ankündigte und den Standort tatsächlich in Folge schloß. Der Verkaufen des Standorts gestaltete sich im Anschluß nicht ganz so einfach wie sich das die Strategen in Irland so vorstellten. Und es war wieder das bekannte Konsortium um die beiden Herren Teeling und Haynes, die den Zuschlag erhielten, und damit in die nächste Runde in Sachen Whiskey-Brennerei gingen.

John Teeling, auch Direktor der Irish Whiskey Company, kaufte Harp 2013 zusammen mit seinen Partnern und nannte den großen Standort zusammen in Great Northern Distillery um. Diageo verkaufte den Standort für 10 Mio. Euro, wohl weit unter dem gewünschten Verkaufswert. Mit gesamten 35 Mio. Euro Investition und Umbau durch die neuen Besitzer wurden die Brennblasen am 31. Juli 2015 zum ersten Mal richtig angefahren und nicht (nur) Bier sondern daraus Hochprozentiges gewonnen. Damit wurde die Great Northern fast über Nacht zum zweitgrößten Whiskey-Produzenten in Irland und ausserdem einer von Dreien die überhaupt Grain Whiskey in Irland herstellen können.

 

Das faszinierende an der Great Northern Distillery ist, dass sie deshalb so ganz anders ist wie übliche Whisky-Brennereien, da sie eine große Brauereigeschichte hat. Und genau das Bier brauen ist die Vorstufe für das spätere Brennen. Die neuen Eigentümer machten etwas ganz interessantes aus den ehemaligen Braukesseln, sie wurden als reinrassige kupferne Brennblasen umgebaut. Sowas hatten wir bisher auch noch nicht zu Gesicht bekommen. Das wäre dann somit die bisher bekannte Malt Whiskey oder Pure Pot Still Produktion. Und an der hinteren Wand steht die Grain Destillation, die mit drei Columns über mehrere Stockwerke bis nach oben im Gebäude integriert arbeitet.

Wie auch die Cooley´s erhält die GND ihr frisches und reines Wasser von der Cooley Halbinsel.

Samstag, der 13. Mai 2017

Heute morgen gehen wir ohne Frühstück aus dem Haus und erkunden die Stadt Dublin. Am besten alles zu Fuß und im gemächlichen Tempo. Man sollte nicht glauben was man alles über einen Tag in dieser Stadt erleben kann. Die Straßen sind übervoll von Menschen, wahrscheinlich ein Großteil Touristen.

Zuerst geht es mal zum Trinity College um eigentlich die alte und ehrwürdige Bibliothek anzuschauen und dabei zu staunen. Auch das Book of Kells hätten wir gerne persönlich gesehen, aber die Schlangen vor der Kasse sind derart lange, dass wir darauf verzichten und einfach über den Innenhof schlendern. Das muss für dieses Mal Dublin einfach genügen.

Dublin ist mit knapp über 500.000 Einwohnern gar nicht so klein aber machmal sind die Wege auch kurz. Wir verlassen die altehrwürdige Universität und schreiten nur über die Straße zum nächsten Highlight – The Irish Whisky Museum.

The Irish Whiskey Museum

Unser gestriger Tag war voll von POI´s und abends sollten wir eigentlich im Museum aufschlagen um einen tollen Event bei lecker Whiskey mit Käsevarianten zu genießen. Den Whiskey Appreciation Course gestern konnten wir leider nicht mehr wahrnehmen, da wir auf der Strecke aus Richtung Norden doch länger andauernde Termine hatten. Ein Umbuchen auf eine heutige Tour innerhalb der nächsten 30 min ist jetzt überhaupt kein Problem und wir merken wieder einmal wie zuvorkommend die Menschen in diesem Land sind.

Diese eine Stunde Tour durch das über mehrere Stockwerke authentisch aufgebaute Museum ist voll gepackt mit zur Geschichte, den Menschen und Produkten aus Irland. Für uns kam in der Nachbetrachtung nicht viel Neues zum Vorschein, aber die geballte Fülle an Informationen, sehr kurzweilig vorgetragen hat uns schon sehr beeindruckt und muss wohl einem Touristen als sehr viel vorkommen.

Man merkt von Anfang an dass hier ein Mensch referiert, der nicht nur über Irish Whiskey Bescheid weiß, sondern einen weltweiten Überblick und Tiefgang hat. Auch die ungeschönte Darstellung der irischen Whiskeywirtschaft mit dem Zusammenbruch im den 1960er Jahren und dem partiellen Wiederaufbau wurde unverblümt dargestellt. Sehr objektiv und gut.

Guinness Storehouse

Auch wir sind Wiederholungstäter! Auf der Whisky Reise Irland 1.0 im Jahr 2016 hatten wir schon einen Mega-Nachmittag im Guinness Storehouse zu Dublin. Genau dem Ort, an dem alle Guinness-Biere für ganz Europa gebraut werden. Das ist keine Brauerei mehr sondern mehr eine Institution weit über die irische Grenzen hinaus. Mal ganz vorsichtig einige Kerndaten über den Hersteller von Bieren am St. James Gate

  • 100 Millionen Tonnen Gerste pro Jahr = 2x das Guinness Storehouse voll
  • Die Gerste (Barley) – Verwendung von Malted, Unmalted und Roasted Malt
  • Wasser kommt aus den nahe gelegenen Wicklow Mountains
  • Guinness stellt die Gattung Porter her
  • An einem Tag werden 3.000.000 Pint Bier gebraut
  • Die Cremigkeit kommt durch das Rösten der Gerste bei 230 Grad
  • Das Bier reift 7 Tage mitten in Dublin
  • Wo wird Guinness auf der Welt überall hergestellt

 

Ganze sieben Stockwerke hat dieses historische Gebäude.

What goes around comes around

Was wollen wir mit diesem schlauen englischen Spruch ausdrücken? Vor neun Tagen sind wir in Dublin angekommen und abends noch schnell in den Temple Bar District gelaufen, der Feiermeile der Stadt, auf ein paar Bierchen. Damit wurde die aufkommende Woche richtig eingeleutet und wir waren abends beim Heimlaufen zu unserem Hotel in unserer neuen Heimat für eine Woche mehr als nur angekommen.

Jetzt, eine starke Woche später sind wir wieder „fast“ ungewollt am gleichen Ort angekommen. Von verschiedener Seite haben wir in Dublin gehört ihr müsst zu Bunzen Burger gehen. Hmm… Ok… wenn das alle sagen, dann gehen wir halt zu Bunzen Burger zum Dinner. Wir sind durch halb Dublin gelaufen um ein leckeres „Fleischpflanzerl“ zwischen zwei Brötchenhälften mit Salat zu bekommen und stehen jetzt quasi direkt wieder in der Feiermeile vor dem Bunzen Burger. Und dann noch einen Wartezeit von einer Stunde bis wir einen Sitzplatz bekommen.

Ok nich schnaken! Handynummer abgegeben, rein in den nächsten Pub, Guinness bestellt und kaum sind 45 Minuten vorbei brummt das Apple in der Hosentasche.

Wir sind wieder am Eingang von Bunsen Burger und die Bedienung ist wie Cleopatra geschminkt, nur etwas bunter, cool. Wir bekommen den vordersten Tisch an der Strasse und sehen die Ströme an Menschen vorbei flanieren, es ist Freitag abend, alle sind zum Freien hier. Unsere Bedienung kommt an den Tisch und übergibt jedem eine Visitenkarte! Auch cool denken wir, denn wir wollten ja eigentlich was essen gehen. Beim genaueren betrachten stellen wir fest, das ist die Speisekarte – übersichtlich, klein, klar strukturiert und einfach gehalten.

Nach dem Essen geht es in die Nacht der irischen Pubs und irgendwann zieht es alle zurück in unsere Appartements noch einen letzten „Absacker“ zu trinken und danach müde ins Bett zu fallen. Morgen ist Flugtag und wir sollten rechtzeitig am Terminal sein.

Sonntag, der 14. Mai 2017

Heute morgen muss es zwingend ein letztes Mal ein Full Irish am Flughafen sein.

Zumindest ist jetzt das bittere Ende gekommen und wir fliegen nach einen sehr ereignisreichen Trip über eine verlängerte Woche lang wieder nach Hause. Irland und Nordlirland haben uns mehr als beeindruckt. Die Menschen, die Landschafen, die Hersteller von edlen Spirituosen und natürlich auch die Pub-Kultur. Ganz zu schweigen vom frischen Essen aus dem Meer und den leckeren Gerichten die man auf der Insel gar nicht suchen würde. Selbst die Fish & Chips, wenn sie richtig gemacht wurden, sind eine Wucht zusammen mit einem leckeren und cremigen Guinness.

Fünf Freund sollt ihr sein – und so war es die gesamte Woche über

Montag wird wieder gearbeitet, somit sind auch wir wieder unter den üblichen Werktätigen angelangt. Und vor der Reise ist auch gleich nach der Reise – wir beginnen wieder mit dem Planen – die Frage ist nur wohin es gehen wird. Lassen sie sich einfach überraschen 🙂

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